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From Cyclades to Saronic 2007, Mr. Kurth

LOGBUCH, FRÜHJAHRS-SEGELTÖRN

25. APRIL - 5. MAI 2007, Griechenland,

Athen ( Kalamaki ) , Attika ( Kap Sounion ), Kythnos ( Loutra ), Seriphos (Leivadion) Syphnos ( Vathy ), Hydra, Epidauros , Äegina, Kalamaki mit einigen ergänzenden Bemerkungen

Teilnehmer : Eckhard Kurth ( Skipper ),Christian Blöhs ( Co-Skipper ) Uwe Lippert ( Smutje / Crew ),Eduard Kirsch ( Crew ) Schiff : Name : „Efi", Typ : Oceanis 393

Mittwoch, 25. April 2007,

Um 16:30 Uhr Ortszeit landen wir auf dem Flughafen in Athen. Es ist ganz leicht bewölkt, hat etwa 26°C und ganz leichten Wind. Schon nach wenigen Minuten nehmen wir am Gepäckband 9 unsere Taschen entgegen, und nachdem wir alles auf einen Wagen geladen haben, durchqueren wir den Ausgangsbereich des Flughafens in Richtung Bushaltestelle und erreichen dort den allerdings schon recht gut gefüllten Bus. Ein Uniformträger im Bus schickt uns zum Fahrkarten-Kaufen freundlich zu einem Fahrkartenschalter, wo ich für uns die Fahrscheine kaufe ( 3,20 € pro Person gegenüber etwa 50 € für die Taxifahrt zum Hafen ). Etwa 10 Minuten später geht es dann los, und nach circa 40 Minuten steigen wir aus an der Haltestelle „Edem", direkt gegenüber dem Hafen ( mit dem Taxi wären wir garantiert nicht viel schneller hier gewesen ). Uwe und Christian, und dahinter Eddy im Bus vom Flughafen zur Marina So schultern wir unsere Taschen und erreichen nach 5

Minuten den Steg, an dem unsere Yacht liegen soll ( und auch liegt ). Jorgos, der Inhaber der Yacht, die unter dem Namen „Efi" und unter der Flagge von „Sailing in blue" läuft, begrüßt uns am Schiff, und wir stellen unsere Taschen auf den Pier. Nebenbei begrüßt mich Yannis, der ehemalige Inhaber der „Sonja", mit der wir im Herbst 2005 ab hier gesegelt sind, sehr herzlich. ecki1.jpg

Er hat sein Schiff mittlerweile verkauft und arbeitet nun hauptberuflich als Techniker für ganz viele Yachteigner hier in der Marina. Was nun folgt, ist eine der gewissenhaftesten Yacht-Übergaben, die ich erlebt habe. Wir gehen gemeinsam sehr sorgfältig alle einzelnen Punkte durch und notieren sofort, was ergänzt oder geändert werden muss. Insgesamt muss gesagt werden, dass dieses Schiff in einem außerordentlich gepflegten und sauberen Zustand ist. Das spiegelt sich bereits in der sehr gewissenhaften Übergabe wider, ist aber auch deutlich sichtbar zum Beispiel bei der technischen Ausstattung, in der Sauberkeit der Stauräume, im Zustand der Segel, der Vollständigkeit der Karten und sonstigen Unterlagen. Nach der Übergabe hieven wir unsere Taschen an Bord, richten uns in unseren Kabinen ein und machen uns direkt auf den Weg zum nur 300 m vom Hafentor entfernten Supermarkt.

Dort kaufen wir für über 200 € Proviant ein und stehen wieder einmal, wie vor eineinhalb Jahren, vor der Situation, dass es anscheinend keinen Einkaufswagen gibt, mit dem wir die Ware zum Schiff befördern können. Unter Androhung, die gesamte Ware noch vor dem Bezahlen an der Kasse liegen zu lassen, rückt dann der Besitzer doch noch einen Wagen heraus, und schon kurze Zeit später schieben wir mit unserer „Beute" Richtung Schiff. Dort benötigen wir eine viertel Stunde, um alles vorläufig zu verstauen, machen uns danach etwas frisch und zockeln um 21:30 Uhr gemeinsam zu „Vassilis Taverna", die uns von Jorge sehr

empfohlen wurde ( oben am Hafentor an der Tankstelle rechts, nach etwa 400 m die Straße überqueren, hinter einem Einrichtungshaus links in die Straße einbiegen, vorn an der Straße hängt schon ein Schild „Vassilis Taverna", und dann nach etwa 300m auf der linken Seite ). Auf dem Weg dorthin telefoniere ich noch mit dem Inhaber von „Sailing in blue", Vagélis, der verspricht, auch noch auf einen Drink dorthin zu kommen. Hungrig wie die Wölfe sitzen wir in „Vassilis Taverna". Die Einrichtung ist sehr traditionell, überall an den Wänden und unter der Decke hängen Wimpel von Yacht-Clubs, Charter- Unternehmen und weiteren mit der Segelei in Verbindung stehenden Firmen. Die Speisekarte kommt auf den Tisch, und bevor wir uns unser Dinner zusammenstellen macht uns Vassilis auf die beiden Menüs aufmerksam, einmal Fleisch und einmal Fisch, die alles enthalten, was wir sowieso bestellt hätten und noch einiges mehr. So bestellen wir das Fleischmenü für vier Personen, lassen uns einen Rosé-Hauswein empfehlen und sind in den darauffolgenden 60 Minuten damit beschäftigt, mit den Köstlichkeiten des Hauses unseren Hunger zu stillen: der Wein ist wirklich sehr süffig, und das Menü bietet als Vorspeisen Tsatsiki, griechischen Salat, Tamarasalata, gegrillte Auberginen, Erbsen und Bohnen in Tomatensoße sowie panierte und gebratene Zucchini. Als Hauptspeise gibt es einen großen Teller mit Bifteki, gegrillten Knoblauchwürsten, Souflaki und Lammkoteletts, serviert mit hausgemachten Patates, und, als Abschluss des Essens, eine große Schale mit Joghurt, frischen Früchten, Honig und Nüssen. Klasse! Gott sei dank kommen zum Hauptgang Vagélis und seine Frau Molly dazu und helfen uns zumindest noch beim Dessert, sonst hätten wir das wirklich nicht alles geschafft. Ich freue mich sehr, die beiden zu sehen. Molly überreicht mir eine Papiertüte mit einer geschmackvoll verpackten Flasche. „Gegen die kalten Nächte auf dem Schiff" lächelt sie mir zu und Vagélis grinst dabei. Übergangslos sind wir alle in einer ausgelassenen Gesprächsrunde und kommen wirklich über Hölzchen auf Stöckchen. Der Hauswein-Behälter wird einige Male aufgefüllt und irgendwann ist es weit nach Mitternacht. Die beiden Mourelatos´ verabschieden sich, weil sie beide am nächsten Tag früh aufstehen müssen. Sie wünschen uns einen tollen Segeltörn und versprechen, uns für nächste Woche einen Athen-Besichtigungsplan vorzubereiten. Wir bestellen die Rechnung, trinken noch den Rest aus der Wein-Kanne und verlassen diese nette Taverne. Nach einem gemütlichen Spaziergang erreichen wir um etwa 1:00 Uhr unser schwimmendes Feriendomizil und sind bereits wenige Minuten später in unseren Kabinen verschwunden.

Donnerstag, 26. April 2007

Der Morgen begrüßt uns mit Sonnenschein und sehr sommerlichen Temperaturen. Uwe hantiert bereits in der Kombüse herum und hat schon Kaffee gekocht und Teewasser aufgestellt. Eddy sieht etwas übermüdet aus, was auf Uwe´s nächtliche Geräuschentwicklung zurückzuführen ist. Ich schnappe mir den Einkaufswagen, den wir gestern Abend an die Laterne auf dem Steg gebunden hatten und mache mich auf den Weg zum Supermarkt. Milch brauchen wir noch, Tsatsiki und Taramasalata, und natürlich frisches Brot.

Es ist wolkenlos, das Thermometer zeigt 19,6° C an und der Baro steht bei 1018 hpas Nach einem ausgiebigen Frühstück wird noch kurz der Abwasch erledigt und das Backbord- WC repariert, da es beim Freispülen kein Wasser von außen ansaugt. Alles Wackelige wird verstaut und befestigt, ein Hauch Sonnenmilch wird auf blasse Arme und Beine verteilt und Luken und Ventile werden geschlossen. Landstrom und die leeseitige Achterleine werden eingeholt und verstaut und der Bootshaken griffbereit gelegt. Mittlerweile steht die Temperatur bei 22,0° C 11:40 Uhr Motor : an / Leinen los Navigation : Fahrt nach Sicht hafenauswärts Tagesziel : Kap Sounion Mit einem astreinen Ablegemanöver verlassen wir unsere Box, schippern Richtung Hafenausfahrt, wo uns eine Motoryacht entgegenkommt, und nachdem wir die Hafenausfahrt hinter uns gelassen haben, schwenken wir links herum auf Südkurs. Nach etwa einer halben Meile haben wir genügend Abstand zum Land, gehen in den Wind und ziehen die Segel heraus. Nach Aufnehmen des Kurses noch ein wenig die Schoten gezurrt stehen die Segel aber schon bald einwandfrei und wir machen etwa 4 Knoten Fahrt nach Sicht entlang der Westküste von Attika. Wir sind, wie schon beim letzten Törn hier im Saronischen Golf, sehr beeindruckt von der hohen Bebauungsdichte dieser Landschaft. Ein Ort reiht sich an den nächsten, und hier wird deutlich, dass all das was wir da sehen immer noch „Athen" ist. Im Abstand von etwa einer Seemeile segeln wir die Küste entlang in Richtung Kykladen, als wir steuerbords etwa 4 bis 6 Delfine in ca. 50 m Entfernung den gleichen Kurs „laufen" sehen. Elegant rollen sie durch die leichte Dünung, verfolgen unbeirrbar ihren Weg und sind nach wenigen Minuten außer Sichtweite. Von anfänglich geschätzten 4 Knoten Fahrt sind mittlerweile noch etwa 2 Meilen pro Stunde übriggeblieben, Trend: nachlassend. Als wir wirklich nur noch dümpeln, starten wir den Motor und holen die Segel ein, um danach mit gemütlichen 1.800 Umdrehungen unseren Kurs weiter zu verfolgen. Der Autopilot hilft tatkräftig dabei und so müssen wir lediglich aufmerksam unser Umfeld beobachten. Wetter : 23,6°C / wolkenlos Als wir das auch in der Seekarte verzeichnete Wrack und bald danach auch die Landzunge mit dem Kap Kavouri hinter uns gebracht haben, öffnet sich der Saronische Golf deutlich. Der Wind legt etwas zu und wir setzen unsere Segel wieder. Mit komfortablen geschätzten 4 bis 5 Knoten Fahrt passieren wir die Insel Fleves und können danach weiter anluven auf Am-Wind-Kurs, sodass wir nun bei weiter aufdrehendem Wind herrlich Lage schieben können. Christian sitzt gemütlich auf der Lee-Bank und kann mittlerweile mit ausgestrecktem Arm die Wasseroberfläche berühren.

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Christian nah am Wasser..

Der Wind legt weiter zu, sodass wir die Segelfläche verkleinern. Mit etwa 7 Knoten Fahrt „jagen" wir längs der Küste, luven auf Höhe der Insel Arsida weiter an auf Hoch-am-Wind- Kurs, holen die Schoten noch dichter und gehen anschließend mit etwa 35° am Wind in die Durchfahrt zwischen Attika und der Insel Gaidouroniso hinein. Hier machen sich nun allerdings die Landabdeckung und das hohe Kap stark bemerkbar, die dafür sorgen, dass der Wind nun sehr veränderlich weht. Das Schiff stets auf „Hoch-am- Wind" haltend, verändern wir den Kurs teilweise um bis zu 180°, können aber trotzdem durch die etwa eine halbe Meile breite Durchfahrt kreuzen. Die kurze Welle spült uns heftig Gischt an Oberdeck, aber nach einer halben Stunde sind wir dann durch die Stenos Gaidouroniso hindurch und kommen wieder auf offenes Wasser.

Hier stabilisiert sich der Wind wieder auf eine NE-Richtung und wir können auf Steuerbord-Bug noch eine ganze Weile mit gut 6 Knoten Fahrt segeln. Schon von weitem sehen wir in der klaren Nachmittagsluft hoch auf dem Felsen des Kaps Sounion die Tempelanlage des Poseidon. Kabellänge für Kabellänge schieben wir uns weiter heran und erreichen gegen 16:00 Uhr die breite Bucht, in der wir heute Nacht Quartier beziehen wollen. Bis weit in die Bucht hinein lassen wir die Segel stehen, und erst etwa 300 Meter unter Land gehen wir in den Wind, starten den Motor und holen die Segel ein. Die Welle, die durch die immer noch wehenden etwa 7 Windstärken vorherrscht, ist hier draußen noch recht unangenehm, aber nachdem wir alle Segel verstaut haben und uns dem Ankerplatz nähern, lässt die Schaukelei deutlich nach. Wir halten uns hinter der Einfahrt rechts und haben hier freien Ankerraum. Lediglich ein Motorboot liegt hier an einer Mooring, allerdings sehr dicht an Land. Wir machen zwei Runden durch die Bucht und werfen dann über etwa 4m tiefem Grund unseren Anker in´s Wasser. Mit geschätzten 40m Ankerkette sollte das Eisen auch bei 7 bft. gut halten. Nach einigen Minuten habe ich allerdings das Gefühl, dass uns das Land in Lee näher gekommen ist, und so holen wir den Anker noch einmal an Bord und werfen ihn wenig später noch einmal, diesmal mit noch etwas mehr Kette, in´s Wasser. Diesmal überprüfen wir den Halt durch Motorkraft rückwärts, und diesmal ruckt es ganz kurz, die Kette ist gespannt wie die Sehne eines Flitzebogens und zieht das Schiff sofort wieder nach vorne. Nachdem der Motor ausgeschaltet, die Spray-Hood hochgeklappt und die Dosen Mythos verteilt sind, stoßen wir an auf diesen herrlichen ersten Tag auf See. Eddy berichtet, dass ihm zwischendurch schon mal etwas mulmig war, und auch alle Anderen an Bord erzählen, dass sie in den vergangenen etwa drei Stunden bei stets mehr als 7 Windstärken lieber nicht länger im Unterschiff hätten sein mögen. Mir geht es am ersten und zweiten Segeltag bei diesen Windverhältnissen stets genauso, und ich bin froh, dass ein kleines Männchen in meinem für das Gleichgewicht zuständigen Teil meiner grauen Masse mir, wenn ich unter Deck bin, stets rechtzeitig signalisiert: „Jetzt aber mal schnell wieder an Oberdeck, frische Luft „ziehen" und die Augen schön weit in die Ferne gerichtet". Wenn ich dieses Signal überhören würde, wäre mir eine halbe Minute später wahrscheinlich schon ziemlich schlecht. Mit unserem Einlaufgetränk in der Hand bewundern wir diese wunderschöne Bucht, an deren westlichem Ende sich die gepflegte Anlage des Grecotels „Kap Sounion" bis an das Wasser schmiegt. Rechts davon verläuft eine gut ausgebaute Straße hin zu einer kleinen Siedlung mit ebenfalls sehr gepflegten Häusern mit ebenso gepflegten Gartenanlagen. Weiter östlich zieht sich die Bucht dann weiter mit einem Strand und daran liegenden Tavernen, daneben eine weitere, aber etwas weniger schöne Hotelanlage und dann, als rechte Begrenzung dieser Bucht und als der Blickfang des südlichsten Zipfels Attikas, der 60 m hohe Felsen mit der etwa 445 v.Chr. zu Ehren des Gottes Poseidon erbauten Tempelanlage. Uwe wuselt in der Küche herum und präsentiert kurz darauf Meses, eine Vorspeisenplatte bestehend aus auch für das Auge sehr attraktiv angerichteten Kleinigkeiten aus der Küche, hier: Tsatsiki, Taramasalad, Tomatenscheiben, Schnittchen mit Käse oder Wurst, alles verfeinert mit den guten schwarzen Kalamata-Oliven, bestäubt mit Kräutern und ergänzt mit schmalen Streifen aus rotem und grünen Paprika.

Das Ganze wird an Oberdeck serviert und dazu gibt es je nach Gusto ein Wasser, einen Retsina oder ein Gläschen vom im Supermarkt heute früh noch aus dem großen Fass gezapften Roséwein. Danach faulenzen wir vor uns hin, es wird gelesen, die Kabine aufgeräumt, an Oberdeck rumgeblödelt und in der Kombüse bereits das Abendessen vorbereitet. 20:00 Uhr Der Wind hat wider Erwarten noch etwas zugelegt, sodass wir noch unseren zweiten Anker über den Bug ausbringen.

Danach ist unser Küchenchef mit seinen Vorbereitungen fertig und serviert uns Schweinekoteletts mit einem äußerst leckeren Gemüse. Nach diesem ersten Segeltag haben alle besonders guten Appetit, sodass zunächst bis auf einen winzigen Rest alles aufgegessen wird, um den sich dann allerdings ein Bankangestellter aus der niedersächsischen Landeshauptstadt noch liebevoll kümmert. Satt und zufrieden sitzen wir danach zusammen und lassen unsere Törn-Möglichkeiten theoretisch revue-passieren. Meine grobe Planung sieht folgendermaßen aus: morgen zunächst nach Kythnos, am nächsten Tag Serifos oder Siphnos, danach weiter Richtung Milos mit eventuell einem Tag Aufenthalt, und dann schnurstracks nach Norden in Richtung Peloponnes, dort die Inseln Hydra und / oder Spetses, anschließend weiter Richtung Ägina und von dort zurück nach Athen, alternativ einen Tag eher wieder nach Athen zurück und dort, wie von Molly empfohlen, mit deren Besichtigungsbeschreibung einen Tag Athen-City mit dem kompletten Akropolis- und Plaka-Kultur-Programm.

Eindeutige Wunsch-Trends gibt es nicht, und so können wir alle Möglichkeiten offen lassen und uns in die zarten Hände der Schicksalsgöttinnen begeben, die uns den richtigen Weg weisen werden. Satt und müde sinken wir noch vor Mitternacht in unsere Kojen und lassen uns von den Wellen in Schlaf schaukeln.

Freitag, 27.April 2007

Bereits gegen halb neun sind wir alle auf den Beinen, belagern die Waschräume und schlappern zunächst einen Kaffee oder einen Tee an Oberdeck, um danach in der Messe in Ruhe zu frühstücken. Danach wird der Abwasch erledigt, unter Deck ein wenig „Klar-Schiff" gemacht und nachdem alles verzurrt und verstaut ist, werden Luken, Gasventile und Seeventile verriegelt und wir machen das Schiff fertig zum Auslaufen. Ziel für heute: der Hafen Loutra an der Ostküste der Insel Kythnos.

10:10 Uhr Baro : 1022 hpas, Temperatur : 20,2°C, Wetter : wolkenlos

Der Starkwind von gestern ist anscheinend etwas abgeflacht, Schaumkronen „draußen" auf See zeigen uns aber, dass wir immer noch mindestens 5 bis 6 Windstärken haben. Beide Anker werden an Bord geholt und verstaut, und mit Dieselunterstützung verlassen wir unseren Ankerplatz.

Schon wenige hundert Meter entfernt schieben wir die Nase unserer „Efi" in den Wind, holen zuerst das Groß- und danach das Focksegel heraus (und reffen dabei sofort in die dritte Stufe) und nehmen sofort Kurs auf in Richtung Nordzipfel der Insel Kythnos, die wir als Schattenriss schon am Horizont erkennen können. Der Wind bläst immer noch aus Nord-Ost, wodurch wir mit „Halb-Wind-Kurs" gut Fahrt machen können. Die Welle misst geschätzte 2 bis 3 Meter, aber unsere fast 8 Tonnen Verdrängung stecken das sehr ruhig weg. 12:00 Uhr Wind : 7 bft. NE, in Böen bis 9 bft.

Gegen Mittag frischt der Wind weiter auf und mit durchschnittlich knapp unter 40 Knoten Wind, in Böen auch mal bis 45, reiten wir die sehr kontinuierlichen Wellen ab.

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Unser Smutje hat frei

Deutlich zeichnen sich linker Hand die Höhenzüge der Insel Kea ab, und rechts vom Schiff wird auch der hügelige Rücken von Kythnos immer deutlicher. In Höhe des Kaps Tamélos, dem südlichsten Zipfel von Kea, kommt uns eine der High-Speed-Fähren entgegen, die gegen diese Dünung auch ganz schön zu kämpfen hat.

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Eddy döst in der Sonne. Im Hintergrund das Südkap von Kea.

Wir segeln zunächst auf Am-Wind-Kurs, müssen aber, je näher wir Kythnos kommen, die Schoten immer dichter holen auf Hoch-am-Wind-Kurs.

15:45 Uhr Wind : 8 bft. NE

Position : Kap Kefalos (Nordkap von Kythnos) stb. Querab

Nachdem wir den Süden von Kea längst im Fahrwasser hinter uns gelassen haben, nähern wiruns mit weiterhin etwa 6 Knoten Fahrt dem Nordkap der Insel Kythnos. Die Strömung durch den NE-Wind treibt uns nahe an die Küste heran, und wir machen zwei Kreuzschläge, um uns um die „Nase" des Kaps Kefalos herumzuschieben. Auf der Ostseite der Insel fallen wir ab auf Raum-Wind-Kurs und alsbald auf achterlichen Wind, wobei wir das Großsegel shiften und unter Schmetterlings-Besegelung vor der Welle abreiten und immer wieder ins Surfen kommen. Rauschend und gurgelnd schieben sich die achterlichen, etwa 2,5 bis 3 m hohen Wellen unter Schiff hindurch und lassen den Antriebspropeller surren und das ganze Schiff sich wohlig schütteln.

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Herrliche Backstagsbrise auf dem Weg nach Loutron

Im Scheitelpunkt der Ormos Loutron erkennen wir bereits aus großer Entfernung die weißen. Häuser dieses schönen Hafenortes und können unseren Surf-Kurs bis ganz dicht vor der Hafeneinfahrt halten.

Etwa 200 m vor der Hafenmauer starten wir dann aber doch den Motor, gehen mit der Nase in den Wind und bergen die Segel. Die Fender werden klar gemacht und die Achterleinen und eine Vorleine bereitgehalten, da beim letzten Mal, als wir diesen Hafen besucht haben, nur ganz wenige Segler hier lagen und wir genügend Platz im Hafenbecken hatten, um längsseits an den Anleger zu gehen.

Heute sieht das allerdings ganz anders aus: zwar liegen auch wieder einige Schiffe längsseits, dadurch gibt es für uns allerdings keinen Platz, um auch nur mit dem Heck in erster Reihe an den Pier zu gehen, geschweige denn längsseits. Wir drehen in aller Ruhe zwei Runden durch das Hafenbecken und entscheiden uns, bei einer Bavaria 39 unter US-Flagge, die längsseits am Pier liegt, ebenfalls längsseits in die zweite Reihe zu gehen. Also: Fender alle klar machen, Vorleine klar und die Steuerbord-Achterleine vorbereitet, gehen wir ganz sanft längsseits und heften uns an die Backbordseite dieser Yacht. Deren zweiköpfige Mannschaft ist uns auch sofort behilflich und so liegen wir schon wenig später um ...

16:40 Uhr ... fest in zweiter Reihe mit Bug- und Achterleinen in Loutron, Insel Kythnos

Baro : 1021 hpas, Temperatur : 19,4°C

Nachdem es „draußen" immer noch recht stürmisch war, liegen wir hier in diesem geschützten Hafen sehr ruhig und komfortabel. Unsere Schiffsnachbarn kommen aus Serbien und überführen ein Schiff aus der Adria in die Türkei, liegen hier, wie einige andere Schiffe auch, allerdings schon seit zwei Tagen fest, da sie bei Sturm mit 8 Windstärken nicht auslaufen wollen gegen diesen Meltemi.

Nachdem wir unser Schiff hafenklar gemacht haben, gibt es erst einmal ein Einlaufgetränk, da es noch recht früh ist heute allerdings in Form von Fanta, Cola und Wasser. Uwe setzt den Kessel mit Wasser auf und schon bald signalisiert uns das Kesselpfeifen, dass es bald Kaffee und Tee geben wird. Wir sitzen gemütlich an Oberdeck in der Sonne, lassen unseren Blick einmal rundum schweifen und sehen Schiffe aus vielen Ländern: seitlich hinter uns liegt direkt am Pier eine etwa 22 Fuß-Holzyacht mit der Deutschen Nationalen am Heck. Zwei riesige, über 50 Fuß große „Ocean Stars" mit Russischer Gastlandsflagge liegen im Päckchen beieinander und hinter uns am Längspier liegt zunächst noch eine Russin, davor in Richtung

Hafeneinfahrt sehen wir zwei Charterschiffe mit Griechischer Nationalen und einer Deutschen und einer Holländischen Gastlandsflagge an der Saling. An der Außenmauer des Hafens liegen zwei Motoryachten und warten wahrscheinlich auch auf besseren Wind, da solche Stinkekisten bei mehr als 6 Windstärken nicht mehr seetauglich sind.

Einer der beiden Motor-Stinkeboot-Skipper bleibt am Pier stehen und schaut unser Schiff an. Ich grüße freundlich und er fragt, ob das Schiff von „Sailing in blue" ist. Witzbold: steht doch auf der Flagge an der Saling. Er sagt, dass er Pétros heiße und in Lefkada für Vagélis gearbeitet hat. Wir kommen ins Gespräch und dabei kommt heraus, dass wir uns bei meinem Ionien-Törn 2003 in Lefkas kennen gelernt haben. Er berichtet, dass er mittlerweile für ein anderes Unternehmen als Skipper tätig ist und derzeit mit einer Bootsbesatzung hier in den Kykladen unterwegs ist, aber hier wegen des Winds fest sitzt und im wahrsten Sinn des Wortes auf besseres Wetter wartet. Wir plaudern noch ein wenig und ich frage ihn nach seinem Tipp für ein gutes, traditionelles Abendessen. Er streckt den Arm aus und zeigt auf eine Taverne direkt am Hafen. Dort, sagt er, gibt es bestes griechisches Essen zu einem ordentlichen Preis, und der Wirt und der Koch sind auch noch sehr nett. Na, da hat sich die Plauscherei doch schon wieder gelohnt! Unterdessen ist der Rest der Besatzung an Oberdeck und lümmelt sich in der Sonne herum. Uwe hat sich stadtfein gemacht und ich schließe mich sofort an zu einer Umlatschung durch den Ort, in der Hoffnung, irgendwo Wasser für unser Schiff aufzutreiben und / oder eine Pension oder Hotel, wo wir für eine Stunde ein Zimmer mieten können, um ordentlich zu duschen.

Bei einigen Griechen nachgefragt, wo denn die „Kythnos Bay Taverna" ist mit ihrem Besitzer Andreas Panou, zucken alle nur mit den Schultern und fragen, von wann die Information, dass es dort einen Wasseranschluss gibt für Yachtbetankung (steht im Buch „Häfen und Ankerplätze" aus dem Jahre 1998, muss ich denen aber ja nicht gerade auf die Nase binden), denn ist. So ziehen wir diesbezüglich unverrichteter Dinge wieder ab und drehen eine Runde durch den wirklich schönen Ort, kommen an einen Wasserzufluss zum Hafenbecken, der richtig heißes Wasser führt, das aus der Therme kommt, um die ein großes Thermalbad gebaut ist, das allerdings saisonbedingt noch nicht in Betrieb ist.

Das Ausgangsgebäude dieses Thermalbades ist gebaut worden vom griechischen König Otto I., damit seine Frau hierhin kommen konnte und ihre Kinderlosigkeit durch fruchtbarmachende Bäder in diesem warmen Wasser heilen konnte. Hat aber auch nichts genützt! Heute steht jedenfalls ein großes Gebäude aus den Siebzigern des letzten Jahrhunderts an dieser Stelle und lockt Jahr für Jahr viele Griechen auf diese Insel zum Kuren. Um dieses Thermalbad herum gibt es einige Gästehäuser und auch ein Hotel, die aber alle noch nicht geöffnet haben, sondern noch kräftig renoviert, geputzt und vorbereitet werden. Auf dem Rückweg zum Schiff entern wir dann das direkt am Hafen liegende Hotel und vereinbaren mit dem Besitzer, dass wir gleich ein Zimmer benutzen können zum Duschen für unsere Crew. Zurück am Schiff verbreiten wir sofort diese Neuigkeit, und schon kurz darauf zockeln wir mit Handtüchern, Badelatschen und Duschzeug bewaffnet die wenigen Meter zum „Ort der körperlichen Reinigung".

Wieder an Bord, macht sich langsam Hunger breit, und Uwe zaubert uns einen kleinen wischenimbiss mit Spezialitäten aus der eigenen Kombüse.

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Uwe´s „Meses"

Wir lassen uns den leckeren Salat und die Kleinigkeiten gut schmecken und genießen

anschließend einen Sundowner bestehend aus Ouzo und Fanta. Auf unserem Nachbarschiff sitzen ebenfalls die beiden „Besatzer" an Oberdeck und bekommen kurz darauf Besuch von den beiden jungen Leuten, die mit der deutschen 22-Fuß-Yacht direkt dahinter liegen. Wir kommen ins Gespräch und erfahren, dass sie seit August 2006 unterwegs sind, aus Kiel kommen und über die Donau und durch das Schwarze Meer ins Mittelmeer gekommen sind, sich nun langsam nach Athen hoch hangeln wollen und von dort ihr Schiff nach Deutschland zurück trailern lassen wollen. Hier in Loutra warten sie den Sturm ab, um danach über Kea und Ägina nach Piräus zu segeln.

Da es nun aber wirklich Abendessenzeit ist, hübschen wir uns an und tingeln zur von Pétros empfohlenen Taverne „siesta music". Wir entern den Innenraum und werden vom Koch begrüßt, der uns in weißer Kochjacke und karierter Kochhose gegenübersteht. Wo wir herkommen, ist auch hier wie so oft die erste Frage. „Hannover und München" berichten wir und sofort erzählt er von seinen Jahren in München, wo er in verschiedenen Griechischen Tavernen gearbeitet hat. Er kennt sogar den Wirt der Taverne, in der ich in Freising oft zum Essen gehe. Er teilt uns mit, dass wir gern eine Kleinigkeit essen können, allerdings sind alle Tische ab etwa in einer halben Stunde reserviert für eine 35-köpfige Gruppe. Da es zum draußen Sitzen etwas zu kühl ist, überlegen wir, was wir machen sollen, entscheiden uns dann aber, woanders weiter zu suchen und fragen ihn nach seinem Tipp. Er stellt erst einmal 5 Gläser auf den Tisch und schenkt uns und sich einen Griechischen Grappa ein „als kleine Entschuldigung dafür, dass ich keinen Platz mehr für Euch frei habe" und rät uns, bei seinem Freund Vassilis einzukehren und dort einen schönen Gruß von ihm zu bestellen und morgen bevor wir weitersegeln unbedingt noch auf einen Kaffee zu ihm kommen müssen. Wir trinken den hochprozentigen Entschuldigungsschnaps aus und ziehen um zur etwa 400 m entfernten „Taverna Vassilis". Dort sind wir die ersten Gäste an diesem Abend und bekommen einen Tisch direkt am Fenster. Der Wirt versorgt uns sofort mit Tischdecke, Besteck, Brotkorb, Servietten und Speisekarten und nimmt schon mal die Bestellung der „Starters" und Getränke entgegen. Nachdem wir aus der Karte auch den Rest unseres Menüs ausgesucht haben, nimmt er auch diese Bestellung entgegen. Wir geben ihm mit auf den Weg „Sigár, sigár", womit wir zum Ausdruck bringen wollen, dass zuerst die Vorspeisen und erst danach alles Andere gebracht werden soll. Während wir warten, geht die Tür auf und „unser" Koch von vorhin kommt rein, grüßt uns und Vassilis und scheint irgendetwas von ihm zu benötigen. Beide gehen in die Küche und kurz darauf verlässt er mit einer Tüte in der Hand die Taverne. Kurz darauf kommt Vassilis an unseren Tisch mit einem Tablett mit vier großen Schnapsgläsern darauf, stellt sie vor uns hin und sagt: „von Dimitri". Salat und Tsatsiki sind wieder außerordentlich gut, allerdings haben wir gerade erst mit den Vorspeisen begonnen, als auch schon die ersten Elemente der Hauptspeisen an den Tisch gebracht werden.

Mit leichter Verärgerung protestieren wir, und tatsächlich werden die darauffolgenden Sachen wirklich mit deutlicher Verzögerung herangetragen: sehr leckerer frittierter frischer Calmar, gebratener Octapus, für jeden einen mittelgroßen gebratenen Fisch, die guten Gigantes (dicke weiße Bohnen in einer Soße aus Tomaten, Kräutern und Olivenöl), hausgemachte „Patates", gefüllte Tomaten ( die sich dann allerdings - wahrscheinlich in Ermangelung an Tomaten - als gefüllte Paprikaschoten heraustellten, aber ebenfalls sehr lecker waren ). Das Ganze heruntergespült mit einem frischen weißen Hauswein sind wir bald außerordentlich gut zufrieden. Den Schnaps „von Dimitri" schaffen wir allerdings nicht mehr, da wir sonst hier am Tisch und auf dem Weg zum Schiff Sirtaki tanzen und dazu singen würden.

So zahlt Christian die erfreulich niedrige Rechnung und nachdem wir dem Wirt ein letztes „sigár, sigár" zugewunken haben, geht´s zurück zu „Efi". Dort gibt es noch einen klitzekleinen Absacker in Form eines 12-Sterne-Metaxas, der sich in der Tüte von Molly und Vagélis befand, und danach verschwinden alle schon bald in ihren Kojen.

Samstag, 28. April 2007

09:30 Uhr Baro : 1020 hpas, Temperatur : 20,8°C

Nach einer ruhigen Nacht und einem ausgiebigen Frühstück wird von Eddy und Christian der Abwasch erledigt. Uwe und ich traben noch einmal zum Lebensmittelladen um dort noch einige Sachen einzukaufen. Die alte Frau in dem Laden schaut mich an, tut so als zwirbele sie ihren Schnurbart und ruft ganz laut und aufgeregt „Moustak, moustak, kriti, kriti" ( Moustak = Bart, Kriti = Kreta ), nimmt danach Uwe in den Arm und drückt ihn herzlich ( war er schon einmal hier? ). Auf dem Rückweg sehen wir zwei Fischerboote am Pier liegen und ihre Ladung löschen. Wir schlendern einfach mal hin und werden von einem der Fischer quasi dazu gezwungen, zum Preis von 10 € drei jeweils etwa 1200 g schwere Bonitos ( kleine Thunfische ) zu kaufen. Auf dem Rückweg zum Boot kommen wir noch einmal an der „Siesta-Music-Taverne" vorbei und werden von Dimitri, der im Schatten davor sitzt, zum Kaffee eingeladen.

Dimitri vor seiner Taverna „siesta music"

nseren Fisch dürfen wir solange im großen Getränkekühlschrank deponieren. Dimitri ist ein unterhaltsamer Gastgeber und so vergeht die nun folgende halbe Stunde wie im Fluge. Als es für uns aber wirklich Zeit wird auszulaufen, tauschen wir noch Adressen aus und Dimitri muss mir versprechen, dass er sich, wenn er das nächste Mal in München ist, bei mir meldet.

Der Kaffee geht aufs Haus und wir versprechen, sein Lokal weiterzuempfehlen. Mit unserer „Beute" kehren wir zum Boot zurück und verstauen die Außenbords-Kameraden in der Pütz, die wir - vollkardanisch gelagert - in eine der achterlichen tiefen Backskisten hängen. Wenn wir nachher „draußen" sind, bekommen die Jungs noch kaltes Wasser zur Kühlung, damit sie bis heute Abend durchhalten.

Danach wird alles gut verstaut und seefest gemacht. Draußen wehen immer noch 7 bis 8 Windstärken, allerdings aus Nord-Ost und somit für uns gut für unseren Süd-West-Kurs. Der Himmel ist nahezu wolkenlos. Unsere Schiffsnachbarn wünschen uns einen guten Törn, und so verabschieden wir uns für heute von Loutra.

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10:30 Uhr Temperatur : 21,5°C,Motor : an, Leinen los

Nach einem astreinen Ablegemanöver zockeln wir in aller Ruhe aus dem Hafenbecken heraus. Draußen herrscht das gleiche Wetter wie gestern. Vor der Ausfahrtshuk bekommen wir die Welle zunächst von Schräg, ziehen aber schon 200 m vor dem Hafen mit der Nase in den Wind und holen die Segel heraus.

10:45 Uhr Segelführung : G↑F↑, je 3. Reff Motor : aus Wind : 7-8 bft. NE

Nach Sicht ziehen wir aus der großen „Ormos Loutron", der Bucht von Loutra, heraus und umrunden schon nach wenigen Minuten das südöstliche Kap. Bis hier sind wir mit halbem Wind gesegelt und machen nun die Schoten auf auf Raumschots-Kurs entlang der Küste in Richtung Südosten mit Kurs 140. Die Welle mit Höhen bis zu etwa vier Meter schiebt uns genau vor sich her. Der Wind weht sehr stabil um die 38 bis 40 Knoten, und Eddy entdeckt die Lust des „Fahrstuhl-Fahrens" im Bugkorb.

Der Wind weht nun sehr stabil ständig über 40 Knoten. Wir holen das Großsegel herunter, um uns mit Kurs 160 nun nur mit dem Focksegel als „Blase" ziehen zu lassen. Herrlich!

7 - 8 Windstärken achterlich bei strahlendem Sonnenschein

Wir lassen Kythnos hinter uns und sehen steuerbordseitig schon deutlich die Insel Serifos vor uns. Wir halten uns zunächst noch weiter auf diesem Kurs, gehen dann aber in der Durchfahrt zwischen Serifos und der Insel Voús genau auf Südkurs, der uns schon bald an der Hafeneinfahrt von Leivadion vorbeiführt.

Hier dreht auch der Wind aufgrund des Düseneffektes etwas, sodass ich weiterhin mit steuerbordseitigem Raumwindkurs auf KAK 200 gehen kann. Nun haben wir die Welle schräg von hinten und bekommen schon einen Vorgeschmack davon, was uns gleich entgegenwehen wird, wenn wir genau auf Nordkurs gehen werden, um in den Hafen zu kommen.

Nachdem der Motor an und das Focksegel eingeholt ist, gehen wir auf direkten Kurs in die Hafeneinfahrt von Leivadion. Nun haben wir den direkten Vergleich zwischen 8 Windstärken vorher von hinten und nun direkt von vorn. Das Schiff rollt heftig in der Welle, und das Oberdeck wird von 3- bis 4-m-Brechern überspült. Der Diesel hat mächtig zu arbeiten, und auch als wir uns dem Hafen deutlich nähern, steht uns der Wind kaum schwächer entgegen.

Vor der äußeren Kaimauer machen wir Leinen und Fender klar zum Anlegen, fahren langsam in den Yachthafen hinein und finden freie Plätze lediglich an der Windseite des Anlegers. Da hier das Schiff mächtig gegen die Mauer gedrückt werden würde und das Liegen sehr unruhig sein kann, entscheiden wir, wieder nach „draußen", vor die äußere Kaimauer zu gehen, die laut Buch „Häfen und Ankerplätze" auch von Yachten benutzt werden darf. Die äußere Kaimauer ist etwa 40 Meter lang und ragt etwa eineinhalb Meter aus dem Wasser, sodass sie uns gut Schutz gegen den Wind geben könnte. Wir drehen eine Runde vor dieser Mauer, machen die Steuerbord-Achter- und Vorleine und einige Fender klar und schieben uns aus dem Wind kommend in den Mauerbereich. Uwe springt mit der Vorleine in der Hand an Land und belegt am Poller, sodass wir zumindest schon einmal mit dem Bug fixiert sind. Nun allerdings beginnt die Arbeit. Der Wind ist so stark, dass Uwe uns mit der ebenfalls zu ihm geworfenen Achterleine nicht heranziehen kann. Mit Motorunterstützung versuche ich, mit dem Heck weiter an den Pier zu kommen. Er fixiert sein Leinenende am Pier und das andere Ende legen wir auf die steuerbordseitige Winsch. Mit der Kurbel ziehe ich uns Stück für Stück weiter heran. Ganz langsam kommen wir mit dem Schiff weiter an die „rettende" Mauer heran. Als es noch etwa vier Meter sind, die uns von der Mauer trennen, kommt ein Grieche zu uns und berichtet, dass bei starkem Nordwind dieser Platz für die Inselfähre freigehalten werden muss. BINGO!

Die Achterleine wieder gelöst, motoren wir an den Pier, holen Uwe und die Vorleine ein und machen uns nun schließlich doch auf den Weg in den inneren Hafen.

Zehn Minuten später liegen wir dann also doch windseitig längs zum Pier aber haben nun allerdings den Vorteil, dichter am Ort und vor allen Dingen - wir sind im wahrsten Sinn des Wortes ausgepumpt - an der Wasserzapfstelle zu sein.

16:00 Uhr Fest bei Steuerbord-Vor- und Achterleine und zwei Steuerbord-Springs in Leivadion, Insel Serifos, Baro : 1018 hpas, Temperatur : 22,2°C

Nachdem das Schiff klargemacht und die - wegen der Uhrzeit noch alkoholfreien - Einlaufgetränke verteilt und vertilgt sind, machen wir uns stadtfein und drehen eine Runde durch den wirklich sehr idyllischen kleinen Ort.

Wir kommen durch schattige Gassen und sonnige Straßen, Uwe fahndet nach einem Laden, wo er Filme kaufen kann, und nachdem wir auch einen Supermarkt und einen Bäckerladen entdeckt haben, verabschiede ich mich von den Dreien, um zum Schiff zurückzukehren, damit jemand da ist, wenn der „Wasser-Service" kommt. Ich habe gar keine Gelegenheit ungeduldig zu werden, denn schon 5 Minuten später fährt ein dunkelblauer Pick-Up auf den Anleger und ein etwa 60 Jahre alter Herr steigt aus. Auf mein fragendes Zeigen auf die Wasserzapfstelle nickt er mir zu, und schon bald darauf hat er seine Schläuche ausgepackt und seinen Wasserhahn aktiviert.

Während unsere Tanks wieder geflutet werden, trudelt auch der Rest der Besatzung wieder ein.

Schon kurze Zeit später rollt ein Motorrad auf den Pier, und ein uniformierter junger Mann von den Hafenbehörden kommt zu uns und bittet uns, das Schiff von „längs zum Anleger" auf „quer zum Anleger mit Buganker und Heckleinen" zu verholen. Dazu sollen wir auf die andere Seite des Piers wechseln und dort dann in zweiter Reihe liegen. Auf den Grund hierfür angesprochen, berichtet er von etwa 25 Yachten einer Regatta, die in den nächsten ein bis zwei Stunden hier anlegen werden.

„Jaja" denke ich bei mir, „da kommt wahrscheinlich gleich irgendein Großkotz mit seiner

750-m-Mega-Motoryacht und hat die Leute bestochen, damit er und seine Frau oder Geliebte hier einen stadtnahen Liegeplatz haben" und stelle mich erst einmal auf stur. Ich habe keinen Bock auf Umziehen und schon gar nicht auf „Zweite Reihe", aber der junge Mann besteht darauf, dass wir, wie alle anderen Yachten auf dieser Seite des Anlegers auch schon, seiner Aufforderung nachkommen.

18:45 Uhr Motor : an, Leinen los

Verholen des Schiffes etwa 400m nördlich des Anlegers in das Hafenbecken. Nachdem wir die Möglichkeiten ausgelotet haben, was nun wirklich passieren kann, blieben zwei Sachen übrig: entweder ich habe Recht mit meiner Vermutung oder aber es kommen wirklich noch viele Schiffe herein. In beiden Fällen ist es in jedem Fall von Vorteil, NICHT mehr am Anleger zu sein.

Wir haben alles an Bord für das Abendessen ( leckerer Bonito in der Backskiste und genügend Retsina im Kühlschrank ) und genügend Brot für unser morgiges Frühstück. So entschließen wir uns zum freien Ankern in der inneren Hafenbucht.

Wir starten den Motor, lösen alle Festmacherleinen und verlassen unseren Liegeplatz. Dabei helfen uns einige Hände am Anleger, uns gegen den Wind abzustoßen. Wir steuern auf den Strand vor der schönen Kapelle zu und suchen uns einen Ankergrund in 4-5 m Wassertiefe.

Wir haben gerade die zwei Anker im Wasser versenkt, als wir an der Hafeneinfahrt einige Segel entdecken. In den folgenden Stunden bis zur Dunkelheit um 21:00 Uhr zählen wir etwa 28 Segelyachten, die in den Hafen kommen und am Anleger, teils in dritter Reihe, festmachen. Das heißt: 28 Yachten mit durchschnittlich 6 Menschen an Bord; bedeutet Unruhe, laute Musik, Getrampel und spätes Wiederkommen vom Abendessen und Trinken von etwa 160 Seglern! Nein danke!

Wir liegen sehr ruhig und sehr sicher etwa 400 m entfernt, aus der Küche dringt Essen- Geruch, der Sundowner steht auf dem kleinen Tisch in der Plicht und aus den Lautsprechern dringt ganz leise Karis Alexeiou.

Seglerherz, was willst Du mehr?

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Vor Anker in Leivadion

Die Bonito-Filets sind ausgezeichnet, aber so sehr wir uns auch anstrengen und auch unseren „Töpfe-leer-Garanten" Christian immer wieder anspornen, bleiben ( allerdings erwarteterweise ) genügend Stücke übrig, um auch morgen noch eine tolle Mahlzeit daraus zu bekommen.

Bonito - hier noch heile.ecki8.jpg

Der Wind hat deutlich nachgelassen, und so sitzen wir auch nach dem ausgezeichneten

Abendessen noch an Oberdeck und bestaunen das rege Treiben am Anleger und den schönen

Blick auf die beleuchteten Häuser in der Hafenbucht. Der Retsina ist ausgezeichnet gekühlt, und kombiniert mit einem befreienden Ouzo hilft er uns beim Stoffwechseln.

Die leichte Dünung lässt unser Ankerlicht auf dem Masttopp langsam kleine Kreise ziehen. Unter dem einsäuselnden Wiegen des Schiffes kommt schon bald die Müdigkeit und alle sind noch vor Mitternacht in den Kojen verschwunden.

Sonntag, 29. April 2007

10:30 Uhr Baro : 1015 hpas, Temperatur : 21,4°C Wetter : wolkenlos

Sonnig, warm und fast windstill begrüßt uns dieser Sonntagmorgen. Wir hatten eine außerordentlich ruhige Nacht und ein gutes Frühstück, zu dem uns Uwe Rühreier mit Speck serviert hat.

Vor dem Frühstück beobachten wir das Gewusel am äußeren Anleger, wo wir gestern unsere Anlegeversuche abgebrochen haben und wo seit etwa 20 Minuten die Inselfähre ihre Ladung löscht und neue aufnimmt.

Der Abwasch ist erledigt und wir machen das Schiff klar zum Auslaufen.

10:40 Uhr Motor : an, beide Anker an Bord

Die Sprayhood wird heruntergeklappt und wir genießen einen letzten Blick auf den Anleger, um den sich ganze Trauben von Schiffen schmiegen.

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Der voll belegte Pier in Leivadion am „Morgen danach"

 

Direkt vor dem äußeren Anleger ziehen wir die Segel heraus und versuchen, die leichte Brise zu nutzen. Welch ein Unterschied von gestern zu heute: gestern Nachmittag noch Meltemi in Sturmstärke, heute ein säuselndes Lüftchen, das kaum Abkühlung bringt und die Segel nur mäßig wölbt!

„Draußen" ist der Wind fast gänzlich eingeschlafen, und schon bald starten wir den Motor und holen die Segel ein. Das Nordkap von Syphnos bereits in Sichtweite, gehen wir auf Kurs 120, um auf die Ostseite der Insel zu gelangen, um eventuell noch ein paar Ausläufer des vergangenen Windes zu „erhaschen"

Da wir an Bord keine Bändsel haben, untersuche ich Möglichkeiten, aus vorhandenem Material einige zu fertigen. Die Focksegel-Reffleine bietet sich an, und ich schätze, dass hier etwa 3 Meter Leine abgeschnitten werden können. Gesagt - getan! Ich bin gerade dabei, aus diesen 3 Metern zwei praktische Bändsel zu bauen, als mein Gehirn kleine Alarmsignale sendet. Ich lege die Leinen-Enden kurz beiseite, gehe die Logik der Reffleine noch einmal durch und entdecke, dass ich hier falsch herum gedacht habe! Leider zu spät merke ich, dass die Reffleine nun zu kurz sein wird, um das Focksegel ganz herauszuziehen. Was nun?

In den nun folgenden etwa 30 Minuten wird ein Beobachter an Land sich, wenn er unser Schiff und unsere Manöver beobachtet hätte, gedacht haben: die haben wohl gestern etwas zuviel Ouzo gehabt!

Das abgeschnittene Ende kann ich hinten nicht wieder anknüpfen, da das Seil dort durch Rollen läuft, was durch die notwendigen Verknotungen nicht möglich ist. Also müssen wir einen Weg finden, das Ende vorn anzubringen. Zunächst bringen wir das Schiff mit der Nase in den Wind und ziehen das Focksegel ganz heraus. Dabei wird das in der Leinen-Trommel befestigte Ende gelöst und das zuvor abgeschnittene Ende mit einem Kreuzknoten an dem nun losen Ende befestigt. Vorher ziehen wir die Leine aus der vorderen Führungsrolle heraus, da das Ende mit dem eingebundenen Knoten nicht mehr durch diese Führungsrolle passt. Nun kann die wieder „original-lange" Leine wieder an der Trommel befestigt werden. Das Segel wird wieder aufgerollt, allerdings lassen sich durch die geänderte Führung die letzten 2 bis 3 Meter nicht mehr auf die Trommel wickeln. Also: das Ganze wieder heraus ( also neuerliches Manöver ) und die Führung geändert. Danach wieder aufgerollt, lässt sich allerdings nicht das ganze Segel einrollen, sondern es bleiben etwa eineinhalb Meter Segelfläche stehen. Neues Manöver in den Wind. Beim dritten oder vierten Versuch klappt es dann jedoch soweit, dass halbwegs ordentlich gesegelt werden kann wenn wir vorsichtig ein- und ausrollen. Bei nächster sich bietender Gelegenheit muss hier aber eine neue Reffleine eingezogen werden!

Welche Kommentare bezüglich meiner Glanzleistung die Lästermäuler an Bord von sich gegeben haben, wiederhole ich hier erst gar nicht.

Die kannst Du Dir selber denken? Falsch! Sie waren schlimmer!

So verstreicht die Zeit, ohne dass wir Strecke zurückgelegt haben. Wir schippern unter Motor weiter die Nordost-Küste entlang. Ausläufer der Sturmwellen der vergangenen Tage sind fast nicht zu spüren.

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Eddy an seinem neuen Lieblingsplatz. Rechts schon der Südost-Zipfel von Syphnos.

 

13:10 Uhr Baro : 1014 hpas

Temperatur : 22,8°C

Position : 37:01,5N;024:43,2E

14:20 Uhr Kap Napos stbd. querab

Als wir am Kap Napos von vorher Kurs 130 auf 220 gehen, spüren wir schon bald einen druckvollen ablandigen Wind aus Nordwest. Ich halte mich vom Land frei, um hier etwa auftretende Fallwinde von den Höhenzügen der Insel etwas zu mildern. Wir können die Segel hochziehen und unter Vollzeug geschätzte 6 Knoten Fahrt machen.

Als wir an die Passage zwischen Syphnos und der im Südosten vorgelagerten Insel Kitriani kommen, bläst der Wind in Böen bis zu 40 Knoten (8 Windstärken), sodass ich außen um die Insel herum navigiere, hier lediglich auf bis in Spitzen um die 30 Knoten Wind (6 Windstärken) treffe und so alle Segel ungerefft stehen lassen kann. Zügig nähern wir uns dem südlichsten Zipfel von Syphnos, dem Kap Kontos, lassen es steuerbordseitig liegen und holen die Schoten dicht auf Hoch-am-Wind-Kurs. Hier lässt der Wind aber spürbar nach auf etwa 3 Windstärken, sodass wir die letzten etwa 2 Seemeilen bis zur Einfahrt in unseren heutigen Zielhafen Vathy mit Eddy am Steuer noch komfortabel aufkreuzen können.

Nachdem wir unmittelbar vor der schon von weither sichtbaren Bucht von Vathy den Motor gestartet und die Segel eingeholt haben, steuern wir in diesen zauberhaften Naturhafen hinein.

Es gibt einen kleinen Anleger, aber wir werden uns irgendwo am flach abfallenden Strand einen Ankerplatz suchen. Der Ankergrund ist Sand und der Anker hält erst beim dritten Versuch, unterstützt durch unseren Zweitanker.

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Vathy auf der Insel Syphnos mit dem kleinen Anleger genau mittig

17:45 Uhr Fest bei Haupt- und Zweitanker in Ormos Vathy

Temperatur : 23,4°C

Nachdem der Motor ausgeblubbert hat, herrscht eine wunderbare Ruhe in dieser schönen Bucht. Rund um diesen Naturhafen zieht sich ein etwa 5 Meter breiter Sandstrand. Viele saubere Ferienhäuser zieren die sanft ansteigenden Hügel. Am Strand gibt es kleine Tavernen, auf deren Terrassen Menschen im Schatten sitzen und den Sonntag genießen. Am Strand liegen noch einige Menschen in der Abendsonne.

Die Menschen auf Syphnos galten als die Kapitalisten der Antike, denn die Götter haben die Insel bei ihrer Geburt mit zwei Bodenschätzen gesegnet, der eine war der Talkschiefer, eine besondere Tonerde, aus dem die Syphnier feuerfeste Töpfe herstellten, und der andere war Gold. Noch heute sind im Osten der Insel die Stolleneingänge zu sehen, durch die sich aber heute nur noch manch Lebensmüde hindurchwagen, doch hat der Sage nach Apoll persönlich durch einen Fluch dafür gesorgt, dass auf der Insel kein Gold mehr gefunden wird.

Hiernach sind die Syphnier selbst schuld, trugen sie doch jedes Jahr den zehnten Teil ihrer Einnahmen zu Apolls Heiligtum in Delphi, und zwar in Form eines Goldenen Eies. Das wird auch in jedem Jahr pünktlich abgeliefert, bis die Syphnier sich eine List ausdenken, mir der sie Apoll täuschen wollen. Natürlich wird der Betrug sofort entdeckt, die Priester lassen den

Betrug nicht ungestraft durchgehen sondern informieren Apoll sofort. Seine Antwort ist kurz und eindeutig: „Das Meer möge ihre Insel und Kassen leeren". Seit dieser Zeit trägt die Insel den Namen „Syphnos", was nichts anderes bedeutet als „leer". Tatsächlich versiegt der Goldabbau, vermutlich ist das Meer in die Goldminen geströmt, denn ein großer Teil der alten

Minen führt heute unterhalb der Wasserlinie an der Nordküste Syphnos´ in den Fels hinein. Geblieben ist aber der Talkschiefer, der vielen Familien Arbeit gibt. Töpfe, Schmorgeräte, Krüge, Vasen und Tassen werden daraus hergestellt, und Kaminsimse in den ausgefallensten

Formen schnörkeln heute die Dächer vieler wohlhabender Griechen.

Wir aber sitzen an Oberdeck, genießen die herrliche Aussicht und das Einlaufbier. Uwe hat keine Ruhe im Hintern und zieht sich in die Kombüse zurück und erscheint kurze Zeit später mit einem „kleinen Happen zwischendurch" in Form von gefüllten Tomaten und natürlich Tsatsiki und Oliven.

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„Stuffed Tomatoes". Kleiner Imbiss in Vathy.

 

 

Christian und Eddy erklären sich bereit, mit dem Beiboot an Land zu rudern und noch Retsina für heute Abend zu besorgen und zu versuchen herauszufinden, wo wir morgen Brot bekommen. In der Zwischenzeit machen Uwe und ich die Küche klar, sodass er danach loslegen kann, das Abendessen vorzubereiten. Aus dem Rest der Bonitos soll es heute ein Pasta-Gericht geben.

 

 

Eddy & Christian fahren Einkaufen ecki13

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Unser Expeditionsteam kommt nach einer dreiviertel Stunde wieder und meldet Erfolg auf ganzer Linie: Βrot gibt es hier morgen keines und der Retsina war mehr als doppelt so teuer wie anderswo, weswegen nur eine Flasche gekauft wurde. 21:00 Uhr Das Abendessen wird serviert, und wir schlemmen rund um uns herum. Was die Menge angeht hätte niemand gedacht, dass wir es schaffen würden, aber Christian sei Dank wird alles alle. Danach sitzen wir, nachdem der Abwasch erledigt ist, noch lange an Oberdeck und genießen den lauen Abend. Viel dummes Zeug wird erzählt und dazu gibt es Pink Floyd aus den Lautsprechern. Die sanfte Schaukelei sorgt aber noch vor Mitternacht dafür, dass wir in unseren Kojen verschwinden.

Montag, 30.April 2007

04:30 Uhr Baro : 1012 hpas, Temperatur : 16,7°C

Obwohl es absolut windstill ist, lässt mich unangenehmer, umlaufender Schwell schon seit über einer halben Stunde nicht mehr schlafen. Ich wälze mich zunächst von einer Seite auf die andere, stehe dann auf und kontrolliere unsere Ankerposition.

Das Schiff schaukelt sehr stark hin und her, sodass es überall klappert und knarrt. Es ist noch dunkel draußen, allerdings steht der fast volle Mond über der Hafenausfahrt und beleuchtet die dahinterliegende Meeresoberfläche.

Ich überlege: an Schlaf ist für mich nicht mehr zu denken, Eddy liegt im Salon, nachdem er schon vor Tagen aus Uwe´s Schnarchstube ausgezogen ist und ist anscheinend auch wach.

Welche Möglichkeiten haben wir in dieser Situation?

Ich wecke die anderen beiden und stelle zur Diskussion, ob wir heute den „langen Schlag"nach Hydra machen wollen ( wir haben in jedem Fall eine etwa 80-Meilen-Passage vor uns, die uns zurück in Richtung Athen bringen soll ). Uwe und Christian sind einverstanden, Eddy ist es egal und so heißt es „Klarmachen zum Auslaufen".

Nach wenigen Minuten sind alle an Oberdeck, nachdem das Schiff klargemacht wurde, Uwe und Christian besetzen die Ankerposition und ich lasse die Maschine an.

04:35 Uhr Motor : an, 04:45 Uhr Beide Anker an Bord

04:55 Uhr Navigation : zunächst nach Sicht aus dem Hafen heraus,

anschließend KAK 290 Der Mond sorgt zunächst für die notwendige Illumination bei der Ausfahrt aus dem Hafen von Vathy. Das Leuchtfeuer auf der Einfahrtshuk haben wir bald hinter uns. Draußen herrscht ganz leichte Dünung und der Windmesser zeigt weniger als 5 Knoten Wind. So lassen wir den Diesel weiterschnurren und hoffen darauf, im Laufe des Tages vielleicht noch etwas

Segelwind zu bekommen.

Anstatt Kaffee und Tee gibt es zunächst erst einmal Mineralwasser, und anstelle von Rührei, Brot, Wurst, Käse und Marmelade begnügen wir uns heute mit Cräckern und Keksen. Für später, wenn es hell ist, haben wir vorgesehen, einen Kaffee oder Tee zu trinken und belegte

Brote zu machen. So machen wir aber, unterstützt vom Autopiloten, konsequent Fahrt nach Kurs am Kompass von 290°.

Uwe und Eddy verziehen sich noch einmal in die Kojen, und Christian und ich „bewachen" das Schiff an Oberdeck. Weit vor uns sehen wir viele Lichter von Tankern und Personenfähren, die auch schon so früh am Morgen unterwegs sind. Die Wasseroberfläche ist fast glatt wie ein Teppich, nur wenige Wellen, meist von den Wasserfahrzeugen auf unserem Weg, lassen unser Schiff sanft hin und her schaukeln.

Beim Blick zurück zur Insel Syphnos sehen wir schon den hellen Hintergrund am Himmel hinter der Insel, der den Sonnenaufgang bereits ankündigt. Mit hellem Schein am Himmel und einem rötlichen Schein direkt über dem Horizont sehen wir bald auch schon den feuerroten Ball aus dem Meer steigen. Erst nur als schmaler Streifen, danach als Halbkugel und schließlich als Vollformat. Im Minutentakt farblich wechselnd von dunkellila über orangerot bis leuchtend Gold, steigt der Ball immer weiter hoch und erwärmt deutlich spürbar, je höher er steigt, immer stärker die Luft.

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Sonnenaufgang bei Syphnos

06:40 Uhr Ein Geräusch hinter mir im Wasser erregt meine Aufmerksamkeit und wenige

Sekunden später erblicke ich Delfine etwa 20 m hinter unserem Schiff. Etwa 6 Tiere tauchen immer wieder auf und überholen auf der Backbordseite unser Fahrzeug und sind bald vor uns verschwunden.

Die kommenden Stunden bringen keine Wetteränderung. Der Wind lässt weiter auf sich warten, die Wasseroberfläche bleibt glatt wie ein Handtuch.

Uwe und Eddy erscheinen irgendwann wieder an Oberdeck. Uwe setzt einen Kessel mit Wasser auf und schon bald werden Kaffee- und Teetassen an Oberdeck gereicht. Dazu gibt es Schnittchen mit verschiedenem Belag. Die Positionslichter sind längst gelöscht, die Jacken gegen die morgendliche Kühle sind ausgetauscht gegen T-Shirts und schon bald riecht es wieder nach Sonnencreme.

Am Steuer werde ich abgelöst und kann nun auch einmal in die Koje verschwinden. Die Logbucheinträge werden von Christian fortgeführt und der Autopilot weiß sowieso, wo wir hin wollen.

Nach zwei Stunden tiefen Schlafes klettere ich ausgeruht wieder an Oberdeck. Keine besonderen Vorkommnisse in der Zwischenzeit bis auf weitere Delfine, die in der Nähe des Schiffes gesichtet wurden. Mittlerweile brennt der Ball da oben am Himmel heftig herunter, sodass auch die kurzen Hosen mittlerweile herausgekramt wurden. Windmäßig hat sich immer noch nichts getan, sodass wohl auch weiterhin der Diesel tuckern wird.

11:45 Uhr Baro : 1012 hpas, Temperatur : 27,6°C

12:00 Uhr Delfine! Hunderte!

Zunächst sehe ich hinter uns, in etwa 200 m Entfernung, einige Rückenflossen an der Wasseroberfläche. Den Blick weiter über die See streifen lassend, erkennen wir dann aber auch weiter links und weiter rechts davon einige Tiere. Ich verlangsame die Fahrt, drehe auf Gegenkurs und halte auf die Stelle zu, wo wir auch jetzt immer noch die Tiere sehen. Nach wenigen Minuten sind wir mitten in einer Region, wo überall um das Schiff herum Rückenflossen und Delfinkörper elegant durch die Wasseroberfläche rollen.

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Überall sind Delfine !

 

 

 

 

 

 

 

 

Alle Segler sind an Oberdeck, die Fotoapparate sind im Anschlag und für die nächsten etwa 20 Minuten haben wir neugierige grauweiße Wegbegleiter, die, sich ein Rennen mit unserem Boot liefernd, rechts und links des Bugs uns zeigen, wo es lang geht. Es scheinen hauptsächlich jüngere Tiere zu sein mit einer Körperlänge von etwa einem bis eineinhalb Metern, aber auch einige ausgewachsene Tiere, die schätzungsweise zweieinhalb Meter messen. Zunächst folgen wir den Delfinen auf deren vermeintlichem Weg.

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Sie machen ein Wettrennen

 

Nach einer Weile, nachdem wir bereits viele Fotos gemacht haben, drehe ich aber ganz sacht

wieder auf unseren Ziel-Kurs, wobei die Tiere ebenfalls unserem Kurs folgen. Ich drehe den Drehzahlregler etwas höher, und schon drehen auch die Delfine ihre Geschwindigkeit weiter

hoch. So folgen sie uns sicher noch 10 Minuten auf unserem Weg, steigen immer wieder rechts und links neben unserem Schiff aus dem Wasser, lassen sich bald zurückfallen um kurz darauf mit um so größerer Geschwindigkeit wieder an uns vorbeizuschießen. ecki15.jpg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rechts, links, überall prustet und pfeift es

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Rund um unser Schiff tauchen immer wieder 3er-, 4er- und 5er-Gruppen aus dem Wasser, und unsere Schätzung, wie viele Tiere das wohl gewesen sind, beläuft sich hinterher auf irgendwo zwischen 70 und 100.

12:30 Uhr Position : 37:15,7N;023:45,5E, Kurs : KAK 305

Irgendwann drehen die Tiere dann aber doch ab und lassen uns auf unserem Kurs in Richtung Hydra weiter ziehen. Wir sind immer noch sehr beeindruckt von diesem ebenso ungewöhnlichen wie berührenden Erlebnis, das noch lange für Gesprächsstoff sorgt.

Vor uns sehen wir bereits die Höhenzüge von Hydra aus dem Hitzedunst auftauchen, und immer noch sorgt Windstille dafür, dass der Motor weiterblubbert.

13:55 Uhr Position : Ostkap von Hydra ( Kap Zuova ) bbd. querab

In großzügigem Bogen runden wir die östlich von Hydra aus dem Wasser ragenden Felsen, die den Rücken des Seeungeheuers darstellen, das hier vor tausenden von Jahren sein nasses Grab gefunden hat. Einst hauste die Lernäische Hydra, eine vierbeinige hundertköpfige Schlange, in den Sümpfen von Argos, nur wenige Seemeilen nördlich von hier auf der Peloppones. Sie trieb dort ihr Unwesen und terrorisierte die Mykener, bis Herakles sich auf sie stürzte und ihr die Köpfe abschlug. Doch stets wuchsen neue Köpfe nach. Erst nach langem, erbittertem Ringen schlug Herakles die Schlange in Stücke. Ein teil des Rumpfes fiel ins Meer: das ist das heutige Hydra.

Die Windstille hinterlässt eine wie ölig aussehende Wasseroberfläche. Wir navigieren in komfortablem Abstand nun längs der Nordküste dieser Insel und nähern uns, vorbei an einigen Geländeeinschnitten, die idyllisch in der Sonne liegen, aber auch an einem weniger idyllischen Einschnitt wo starker Qualm aufsteigt und anscheinend die inseleigene Müllverbrennung beherbergt ist, der Inselhauptstadt Hydra.

Wir „scannen" den Küstenstreifen ab und suchen nach dem Mühlenstumpf, der laut Hafenbeschreibung die Einfahrt in den Haupthafen markiert. Wir brauchen aber lediglich den vielen Booten zu folgen, die im ständigen Rein und Raus den beliebten Hafen anfahren.

Schon bald sehen wir auch die Häuser, die uns zusätzlich den Weg weisen. Wir machen Achter- und Vorleinen und Fender klar und schwenken in die Hafeneinfahrt.

15:15 Uhr Position : Fest bei Buganker und Heck- und Backbordleine

in zweiter Reihe im Hafen von Hydra, Insel Hydra

Baro : 1011 hpas,Temperatur : 27,2°C

In der Hafenbeschreibung lesen wir, dass dieser Hafen gern von Athenern an Wochenenden benutzt wird, und da morgen mit dem 1.Mai auch in Griechenland ein Feiertag ist, ist es gut, dass wir heute so früh eintreffen. Schon jetzt, am frühen Nachmittag, ist die Kaimauer voll belegt. Eine ruhige Runde durch den Hafen zeigt uns, dass wir in jedem Fall schon einmal in die zweite Reihe gehen werden, und wir entscheiden uns für einen Platz, an dem bereits eine große Yacht, die „Evi", in zweiter Reihe liegt und an ihrer Steuerbordseite gut abgefendert hat. Auf dem dahinter direkt am Pier liegenden Schiff winkt uns schon jemand zu, und so stoppe ich auf, lege den Rückwärtsgang ein und drehe ganz sacht auf den vorgesehenen Platz.

Die Leinen fliegen über Bord, hinter uns und neben uns gibt es helfende Hände und wenige Minuten später liegen wir sicher vertäut in Hydra.

hydra.jpg Hydra in Dreierreihen.

 

 

Hier noch etwas gezurrt und da noch ein wenig nachgezogen ist das Feintuning auch bald beendet und so „würgen" wir den Motor ab und genießen - dem Kühlschrank sei gedankt - ein kaltes Einlaufwasser oder eine gutgekühlte Einlauf-Fanta. Danach machen wir uns landfein und verlassen unser Schiff. Um an Land zu kommen, steigen wir an Bord der „Evi", von dort über deren Heck über die „Räuberleiter" auf den etwas höher gelegenen Bug des Schiffes, das dahinter mit dem Heck zum Pier liegt und gelangen dann über eben jenes Schiff an Land.

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Hier bist Du verzurrt wie die Fliege im Spinnennetz

 

 

Was hier sofort auffällt, sind die fehlenden Autos. Die Häuser sind hier in Hydra so dicht

aneinander gebaut, dass jeglicher „Schwerlastverkehr", das heißt, die Warenlieferungen an die Geschäfte, Häuser und Lokale, ausschließlich per Esel erledigt wird. So stehen denn auch viele dieser genügsamen Tiere am Hafen und warten entweder auf zu liefernde Ware oder aber auf Touristen, die sich von ihnen durch die Gassen schaukeln lassen wollen.

Wie lustwandeln allerdings per pedes durch die Gassen, schauen nach Versorgungsmöglichkeiten und vor allem nach der Taverne „TO STEKI", die uns vom Skipper der hinter uns am Pier liegenden Yacht sehr empfohlen wurde. Die finden wir ann auch und reservieren direkt einen Tisch für 21:00 Uhr. Bei einem Garten-, Küchen-, Schiffs-, Armaturen- und Zubehörhändler entdecke ich große Rollen mit Seilen und meine auch, dass da etwas dabei ist, was für unser Fockreff geeignet ist. Um auf „Nummer sicher" zu gehen, werde ich aber später noch einmal wiederkommen mit einem Musterstück.

Weiter geht es durch den Ort, hier nach Gemüse und Obst geschaut, dort nach Mitbringseln für die Daheimgebliebenen, hier nach einem großen Topf Tsatsiki gefahndet ( unser Vorrat ist wirklich schon wieder aufgebraucht ) und woanders nach anderen Dingen. Im Supermarkt direkt am Hafen bunkern wir Retsina und Ouzo, Tamarasalad und Nudeln, Zwiebeln und Tomaten und dort kann ich auch mein Akkuladegerät für die Digitalkamera ans Netz klemmen. Nachdem ich die erbeutete Ware zum Schiff gebracht habe, kehre ich zurück zu den wartenden Christian und Uwe ( Eddy ist schon vor einer halben Stunde verschütt´ gegangen, als er nach einer Toilette suchte ), bei einem Bäcker kaufen wir uns eine mit Féta gefüllte Blätterteigpastete, und diese genussvoll verspeisend trödeln wir am Hafen entlang zur westlichen Einfahrtshuk, steigen die Anhöhe hinauf, von wo wir einen fantastischen Blick in Richtung Spetsai und Süd-Peloppones haben. Hier haben wir von oben freien Einblick in die blitzsauberen Cafés an der „Waterside" neben der Hafeneinfahrt. In einem Estiatório am Ende dieses schönen Platzes bewundern wir die Auslagen mit Austern, Lobster, Octapus und vielen Fischsorten und kehren dann wieder um in Richtung Hafen, wo uns auch schon bald Eddy entgegenkommt, der seinerseits eine Runde durch diesen netten Ort gedreht hat. Gemeinsam schlendern wir wieder zurück zum Schiff, wo wir von unserem Sternekoch eine gemischte Vorspeisenplatte kredenzt bekommen und dabei Live-Programm verfolgen mit dem Titel „Wieviele Yachten passen denn noch in diesen Hafen?". Es ist der Wahnsinn, was hier los ist, und wir können uns über Langeweile wirklich nicht beklagen.

Nach dieser genauso leckeren wie kurzweiligen Unterbrechung schnappe ich mir ein kurzes Stück unserer Fock-Reffleine und trabe zu dem kleinen Geschäft, in dem ich die dicken Leinenrollen entdeckt hatte. Ein kurzer Vergleich liefert ein positives Ergebnis: „bitte 25m davon". Die angegebene Länge abgemessen ist schnell erledigt, doch dann die Überraschung: die Ware wird auf eine Waage gelegt und nach Gewicht berechnet! 5 € und 50 Cent pro Kilo macht zusammen 7 € und 20 Cent für 25m Leine. Na gut, wenn es denn so sein soll! Zurück auf dem Schiff tauschen wir die beiden Leinen direkt aus, damit alles wieder in Ordnung ist.

20:00 Uhr Temperatur : 24,7°C, Baro : 1010 hpas

Nachdem wir den Nachmittag in aller Ruhe haben ausklingen lassen, ist auch der Schiffsverkehr deutlich weniger geworden. Die Yachten liegen nun rund um das Hafenbecken in drei Reihen. An der Promenade füllen sich die Lokale, und von überallher dringt leise Musik und Lachen an unsere Ohren. Auf dem Tisch in unserer Plicht steht ein Sundowner und wir genießen es, bei immer noch fast 25°C in der warmen Luft zu sitzen.

Um viertel vor neun machen wir uns ganz gemütlich auf den Weg zu unserer heutigen Taverne, erklimmen dort die Stufen zur Terrasse und bekommen einen Tisch direkt am Durchgangsweg.

Die Starters sind schnell bestellt, der Hauswein wird im typischen Kilo-Gefäß aus rötlichem Aluminium serviert, und schon bald lassen wir uns die guten Sachen aus der Küche schmecken: zunächst natürlich wie gewohnt Tsatsiki und Salat, und danach „stuffed tomatoes" ( gefüllte Tomaten ), gefüllte Teigröllchen ähnlich wie Canneloni ( nachdem es leider kein Pastitsio mehr gibt, das vom Nebentisch so gut herübergeduftet hat ), natürlich hausgemachte Patátes, dazu ein Gemüse aus Bohnen und Möhren, und anstatt Fisch heute ausnahmsweise einmal Fleisch, und zwar Lammkoteletts, Chicken- und Pork-Souflaki und sehr leckere Bifteki ( Hackfleisch-Bällchen ).

Derweil haben wir gute Aussicht auf die langsam sich belebende Innenstadt, und nachdem alle Speisen ratzeputz weggeputzt sind, gibt es vom Haus noch einen Absacker für jeden.

Die Rechnung erweist sich als relativ niedrig, und nachdem vom netten Wirt noch ein Andenkenfoto gemacht wurde, spazieren wir langsam zurück zum Schiff, wo es an Oberdeck - mit herrlicher Aussicht auf diesen schönen Ort - noch einen Schlaftrunk gibt.

Christian macht um kurz nach Mitternacht den Anfang, und so peu-á-peu verschwinden danach auch alle anderen in ihren Kojen.

Gegen 3:00 Uhr werde ich geweckt durch lautes Gepolter an Oberdeck. Ein sturzbetrunkener Nachbar hat „unsere" Hühnerleiter benutzt, um auf sein Schiff zu kommen, und dabei poltert er herum wie eine ganze Fußballmannschaft. Ich stürze nach oben, er steht vor mir und ich sch... ihn mächtig zusammen, worauf er, nun leise, auf sein Schiff verschwindet. Ich lege mich wieder hin und bin auch schon bald wieder eingeschlafen.

Dienstag, 1.Mai 2007

Der Morgen begrüßt uns mit grauen Wolken und leichtem Nieselregen. Nach der Morgentoilette zockel ich zum nahegelegenen Bäcker, wo ich herrliches frisches Brot einkaufe und zum Schiff zurückkehre.

Uwe hat schon Kaffee gekocht, mein Teewasser pfeift auch bereits im Kessel und schnell ist der Frühstückstisch gedeckt und wir hocken drumherum.

Draußen nieselt es immer noch ganz leicht, aber links und rechts von uns haben schon einige Boote abgelegt. Der Skipper der Yacht hinter uns fragt, wann wir auslaufen wollen und wir einigen uns auf 11 Uhr.

10:50 Uhr Baro : 1014 hpas, Temperatur : 20,8°C, Wetter : ganz leichter Nieselregen

11:00 Uhr Motor : an, Leinen los, Anker an Bord

Trotz des vollen Hafens mit vielen durcheinander- und übereinanderliegenden Ankerketten kommen wir ohne Kettensalat frei und schippern schon bald durch die Hafenausfahrt. Wir lassen die leichten Regenjacken an, sehen aber schon bald den Himmel deutlich heller werden und fühlen ein laues Lüftchen sich regen.

Ein ganz leichter Südwest setzt ein, sodass wir etwa auf halbem Wege zwischen Hydra und Peloppones die Segel herausholen und uns mit Windkraft antreiben lassen können. Welle ist so gut wie nicht vorhanden, sodass Störungen lediglich auftauchen durch Wellengang, den die bescheuerten Motor-Stinke-Kisten-Rambos verursachen, die mit 500 Stundenkilometern an uns vorbeiknallen um jedem zu zeigen, wie lang ihr Geschlechtsteil ist und wie viele Windungen ihr Gehirn so hat. Ich liebe sie!

Am Südost-Zipfel der Peloppones-Halbinsel shiften wir das Großsegel auf die Backbordseite und ziehen unter Schmetterlingsbesegelung durch die Stenos Tselevinia, die schmale Durchfahrt zwischen der großen Halbinsel und der winzigkleinen Insel Tselevinia.

Auf der anderen Seite der Durchfahrt ändern wir unseren Kurs weiter nach Steuerbord auf 010, um die vor uns liegende Insel Póros östlich zu runden.

Der Himmel reißt weiter auf, und wir können unsere Regenjacken nun wirklich wieder unter Deck bringen. Im Fahrwasser weit vor uns ahnen wir bereits die Insel Ägina, die uns wahrscheinlich übermorgen als Zwischenstopp dienen wird.

13:20 Uhr Position : Kap Kalavria / Ostkap der Insel Poros

Wetter : trocken, aufgelockerte Bewölkung Nachdem wir das Kap Kalavria querab haben, merken wir schon deutlich, wie der sowieso schon sehr schwache Südwind noch mehr abgedeckt wird. Mittlerweile ist er ganz eingeschlafen und so starten wir den Motor und holen die Segel herunter.

Die nächsten Stunden können wir herrlich nach Sicht navigieren. Wir ziehen die gesamte Ostküste der Halbinsel Methanon entlang, gehen dann ganz oben am Kap Georgios auf 190, lassen die kleine Insel Agkistri steuerbordseitig liegen und können auf diesem Kurs immer geradeaus genau auf unseren Zielhafen Palea Epidauros ( der Grieche sagt Epidavrou ) zulaufen.

Schon von weit her sehen wir die Häuser dieser etwa 3000 Einwohner zählenden Stadt. Die Ansteuerung ist dadurch recht einfach und als wir die Bucht erreichen sehen wir auch deutlich die zwei Steinbaken, die das Fahrwasser markieren und uns den sicheren Weg in den Hafen weisen.
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Zwei Baken weisen den Weg in den Hafen von Palea Epidauros

 

 

 

 

 

Da nur wenige Yachten im Hafen sind, können wir uns den Liegeplatz fast frei auswählen. Wir bereiten den Anker, die Achterleinen und die Fender vor, stoppen auf, legen den Rückwärtsgang ein und gehen über Heck an die lange Hafenmauer direkt am kleinen Park, der die Hafenanlage von „downtown" trennt.

17:00 Uhr Position : Fest bei Buganker und Achterleinen im Hafen von Palea Epidauros, Peloponnes

Baro : 1012 hpas, Temperatur : 21,8°C

Während wir unser Einlaufgetränk genießen, staunen wir an Oberdeck sitzend über die wahren Menschenmassen, die den Park, die dahinter liegenden Straßencafés und die Straßen und Plätze an diesem Feiertag füllen. Paare ohne und mit Kindern und ganze Familien mit mehreren Generationen haben ihre Feiertagsgarderobe aus dem Schrank geholt und zeigen sich in der Öffentlichkeit.

An einem der wenigen Nachbarschiffe fragen wir nach der Wasserversorgungsmöglichkeit und bekommen den Hinweis, dass hier ein- bis zweimal pro Tag jemand kommt und Betankung anbietet. Auf der gegenüberliegenden Seite des Weges, der direkt hinter unserem Schiff am Hafen entlang führt, sehen wir Trinkwasserstellen, die allerdings einen mit unserem Schlauch nicht kompatiblen Anschluss haben. Wir beschließen, den Abend abzuwarten und dann, wenn bis dahin niemand erschienen ist, unseren Schlauch mit unserem Gaffa-Band an den Hahn anzuschließen.

In der Zwischenzeit werfen wir uns ebenfalls in Schale, zockeln in aller Ruhe einmal am Hafen entlang, halten uns hinter dem Square weiter am Wasser und umrunden den hübschen Badeort entgegengesetzt des Uhrzeigersinnes. Wir erreichen am Ende des Weges, vorbei an duftenden Orangenplantagen, einen schönen kleinen Campingplatz, drehen hier wieder um und biegen rechts eine kleine Straße ein, die uns an einigen Mehrfamilienhäusern vorbei in die Innenstadt bringt. Hier gibt es viele kleine Geschäfte, von Metzger und Bäcker über Blumengeschäfte, Eisdielen, chemische Reinigung, kurz: alles, was Du auch bei uns in einem ganz normalen Ort ebenso erwartest und findest. Durch verwinkelte Gassen streifen wir undkommen in einen etwas höher gelegenen Teil des Ortes, wo hübsche Häuser einen gewissen Wohlstand demonstrieren. Wunderschöne Gärten, sonnige Orangen- und Zitronengärten und duftende Blumen sehen und riechen wir und kommen bald entlang einem schmalen Weg wieder direkt an dem Platz heraus, an dem die vielen Cafés und Straßenlokale heute den Epidauren die Möglichkeit bieten, zu sehen und gesehen zu werden. Eine Runde noch über diesen großen Platz kehren wir auch bald zu unserem Schiff zurück, wo zeitgleich mit uns auch Christian wieder eintrudelt, der sich das kleine Amphitheater bei den antiken Ausgrabungsstätten direkt am Hafen angeschaut hat.

19:30 Uhr Uwe zieht sich zur Abendessen-Vorbereitung in die Kombüse zurück, und Eddy und ich rollen unseren Wasserschlauch in Richtung Zapfstelle, verbinden das Schlauchende mit Hilfe von Gaffa-Band mit dem Wasserhahn und schon bald sprudelt

frisches Wasser in unsere leeren Tanks. Nach etwa zwanzig Minuten sind beide Tanks voll und Eddy ganz schön nass ( 100%ig dicht haben wir die Verbindung nicht bekommen ), wir rollen alles wieder ein und verstauen das Material.

Zur Belohnung hat Christian schon für alle einen Sundowner an Oberdeck gestellt, und während unser Abendessen in Vorbereitung ist, berichtet Christian uns von seinem Besuch bei dem kleinen Theater. Wir schlappern dazu unseren „Cocktail" und genießen dabei die Aussicht auf den belebten Pier. Für morgen planen wir einen Ausflug zu den Ausgrabungsstätten im etwa 15km entfernten antiken Epidauros.

Unser Dinner ist wieder einmal köstlich, und danach sitzen wir in der warmen trockenen Abendluft ( es sind um 21:30 Uhr immer noch 20°C ) lange an Oberdeck und lassen es uns gut gehen, bis uns dann um kurz vor Mitternacht doch die Müdigkeit erwischt und wir uns bald zurückziehen.

Mittwoch, 2. Mai 2007

Schon kurz nach dem Frühstück mache ich mich auf den Weg, um eine Bushaltestelle zu finden, von der aus wir zu den antiken Ausgrabungen kommen. Mitten im Ort steht ein großes Schild, auf dem die Abfahrtszeiten notiert sind. Da aber der nächste Bus in etwa 3 Minuten und der nächste dann erst wieder um halb eins abfährt, trabe ich zurück zum Schiff, nachdem ich mich vorher aber noch nach dem ungefähren Preis für eine Taxifahrt erkundigt habe. 10:30 Uhr Wir schultern unsere Taschen, und bepackt mit Wasserflaschen und Fotoapparaten machen uns auf den Weg zum Taxiplatz, wo wir uns einen E-Klasse-Mercedes gönnen. Durch ein Meer von Grün und durch duftende Zitrus- und Orangenplantagen erstreckt sich eine sehr gut ausgebaute Straße, die uns zur Besichtigungstour zu den antiken Ausgrabungsstätten bringt. Am Haupteingang werden wir abgesetzt und der Fahrer bietet an, die etwa gute Stunde, die zur Besichtigung notwendig sei, auf uns zu warten und uns dann zum Hafen zurück zu bringen, was wir gerne annehmen.

Am Kassenhäuschen entrichten wir unseren Obolus, und schon dürfen wir den heiligen Bezirk betreten. An diesem eindrucksvollen Ort, der schon allein durch seine Umgebung bezaubert, gab es bereits lange vor dem Bau der heute zu bewundernden Anlagen, nämlich in der sogenannten helladischen Zeit ca. 2000 Jahre vor unserer Zeitrechnung, ein Heiligtum zu Ehren des Gottes Maleatas, des Frühlings- und Wachstumsgottes. Man sah in ihm eine Erscheinungsform des Gottes Apollon, des Gottes für Musik und Kunst, des Lichts und der Heilkunst, und widmete ihm Fest- und Wettspiele. Als um 430 vor Christus eine Epidemie ausbrach, soll es an dieser Stelle wundersame Heilungen gegeben haben, weswegen viele Pilger aus ganz Griechenland hier hin kamen und sich Heilbehandlungen unterzogen, die auf seelischen Einwirkungen beruhten wie Ruhe, Schlaf, Traumerkenntnis und intensives Erleben von Musik- und Theatervorführungen. Nachdem diese „heidnischen" Kulte im vierten Jahrhundert nach Christus verboten wurden, ist der Heilbetrieb in christlichem Sinne fortgeführt worden.

Zentrum dieser Stätte ist einerseits das beeindruckende Ausgrabungsgelände, wo Reste der einstigen Kultbauten zu besichtigen sind, aber vor allem das Theater von Epidauros, eines der besterhaltenen antiken Theater der Welt.

Das beeindruckende Theater in Epudauros

Hier hatten insgesamt 14.000 Menschen Platz und nahmen Teil an Theateraufführungen, die sich insofern von unseren heutigen Aufführungen unterschieden, dass die Besucher das Programm, heute würde man sagen interaktiv, mitgestalten konnten. Auch heute noch finden hier von Anfang Juli bis Mitte August Festspiele statt, zu denen tausende von Besuchern kommen, um die alte griechische Kultur zu erleben.

Wir erklimmen die obersten Sitzreihen dieses impressiven Gebäudes und lauschen den Gesängen und Gedichten, die von Besuchergruppen im Rondell des kreisrunden Orchestras vorgetragen werden und sogar bis zu unserer Sitzposition sehr gut verständlich sind. Eine Reiseleiterin stellt sich in den kleinen mittleren Kreis in der „Manege" und knistert zum Beispiel mit einem Blatt Papier und lässt danach einige Münzen auf den Boden fallen: alles ist wirklich bis hier oben gut zu hören. Und das alles vor dem beeindruckenden Hintergrund dieser Landschaft, die geprägt ist durch das satte Grün von Pinienwäldern und Olivenhainen, von sanften Hügeln und blauem Himmel.

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Herrliche Aussicht aus der letzten Besucherreihe auf die wunderbare Landschaft

Wir verlassen diesen beeindruckenden Ort und kehren zum Eingang zurück, wo „unser" Taxifahrer uns wieder einlädt und zum Hafen zurückfährt. Nach dem Aussteigen gibt es noch etwas Gerangel um den Fahrpreis: der Fahrer meint, von uns den Hinweg und die Wartezeit und den Rückweg mit insgesamt 50 Euro komplett bezahlt zu bekommen ( 20 für den Hin- 20 für den Rückweg und noch einmal 10 für die Stunde Wartezeit ). Nach kurzer Diskussion ist auch er der Überzeugung, dass er mit 30 € für die Hinfahrt plus Wartezeit gut bedient ist.

Mit einem freundlichen kali spéra verabschieden wir uns von ihm und entern unser Schiff, um das Ablegemanöver vorzubereiten.

12:05 Uhr Motor : an, Leinen los, Anker an Bord

Bei nahezu Flaute tuckern wir aus dem Hafen heraus, schießen noch ein paar Fotos vondiesem schönen Gelände, und legen Kurs an in Richtung Ägina, unserer letzten Station, bevor es danach wieder zurück nach Athen geht.

12:20 Uhr Segelführung : G↑F↑ Motor : aus

Ein ganz leichter Wind bewegt uns mit einer „Geschwindigkeit" von geschätzten ein bis einskommafünf Knoten vor sich her. Wir haben alle Zeit der Welt, das Wetter ist fantastisch, Ägina liegt in Sichtweite vor uns, und ob wir eine Stunde früher oder später dort ankommen ist unerheblich. Wenn es denn nachher zu spät werden sollte, können wir immer noch den Motor anschmeißen und wären innerhalb von maximal drei Stunden im Hafen.

So faulenzen wir in der Sonne, schmökern in unseren Romanen, Christian spendiert eine Runde Bananen, wir schmeißen die Pütz ins Wasser und schrubben das Oberdeck, herumgeblödelt wird sowieso.

Zwischenzeitlich schläft der Wind aber ganz ein, sodass wir wirklich fast nur noch auf der Stelle dümpeln. Außerdem bewegen wir uns ganz langsam auf eine Stelle zu, an der uns eine auch in der Karte eingetragene Markierung auf ein darunter liegendes Wrack hinweist. So starten wir den Motor, holen das Vorsegel ein, lassen das Großsegel als Stützsegel stehen und blubbern mit einer Drehzahl von 1200 U/min um das Wrackfeld herum und dann mit Kurs 100 auf Ägina zu.

Der Wind legt ganz leicht zu, die Wasseroberfläche kräuselt sich etwas, und wir lassen das Focksegel wieder raus. Als der Motor aus ist, knarrt es im Schiff ganz sanft und wir gewinnen an Vortrieb. Unter Vollzeug legt sich das Schiff ganz leicht schräg und mit geschätzten 4 Knoten Fahrt rauschen wir ganz sanft dahin. Deutlich ist zu spüren, dass der Wind, je weiter wir uns von der Abdeckung durch die Landmasse der Peloponnes entfernen, kräftiger wird.

14:30 Uhr Position : 37:41,7N;023:15,8E, Wind : 4 bft. aus S,Temperatur : 26,7°C

Es ist wirklich eine Lust zu segeln. Kaum Welle, warmer Wind aus Süd, das Ziel voraus in Sichtweite, die Gewissheit eines schönen Hafens im Kopf, die Stimmung an Bord super: was willst Du mehr?

Unter der Landabdeckung der Insel Agkistri, die genau südlich von uns vorüberzieht, schralt der Wind auf etwa 1 bft., sodass wir den Motor starten und das Vorsegel einholen, weil es ständig nur einfällt und behindert.

15:15 Uhr Wind : 5-6 S,Segelführung : F↑,Motor : aus,Temperatur : 27,5°C

Als die Insel Agkistri achteraus verschwindet, legt der Wind aber wieder zu, da er nun freie Bahn hat und durch den Düseneffekt zwischen der hinter uns liegenden Agkistri und der vor uns liegenden Ägina noch mehr gebündelt wird und so auf satte 5 bis 6 Stärken zulegt. Wir fahren geschätzte sechseinhalb bis sieben Knoten und irgendwie ist es auch schade, dass wir nun schon bald am heutigen Tagesziel ankommen werden. So genießen alle noch die letzten Minuten Schräglage und sind mit allen Sinnen dabei.ecki20.jpg

 

Ägina recht voraus

 

 

 

 

 

 

 

 

Vor der Hafeneinfahrt von Ägina müssen wir den heutigen Segeltag leider beenden und machen uns klar zum Einlaufen. Den Motor gestartet, die Segel eingeholt, die Fender und die Achterleinen klargemacht schippern wir zwischen den Spieren hindurch in diesen wunderschönen Hafen. Es sind relativ viele Plätze frei, und so suchen wir uns eine weit nördlich gelegene Box aus, in der wir gute Abdeckung vor dem Südwind haben und sind bald mit dem Pier verbunden, verholen dann aber noch einmal einen Platz weiter nördlich, weil der Anker nicht an der vorgesehenen Stelle ins Wasser rauschte, sondern, weil die Kette etwas klemmte, ein paar Meter weiter daneben. Nun liegen wir sicher und gerade, legen noch eine Spring vom Vorschiff und schreiben ins Logbuch:

16:20 Uhr Fest bei Buganker und Achterleinen im Hafen von Ägina, Insel Ägina

Motor : aus, Baro : 1015 hpas,Temperatur : 25,8°C

Ägina ( sprich: Äjina ) war von Januar bis Oktober 1828 die Hauptstadt von Griechenland.Auf dieser 83 qkm großen Insel versorgen insgesamt über 40.000 Pistazienbäume immerhin 3% des Weltbedarfs an diesen begehrten, hier besonders leckeren Nüssen. Die Insel hat etwa 12.000 Einwohner, die zum großen Teil von der Landwirtschaft, dem Fischfang, der Schwammtaucherei und, natürlich, vom Tourismus leben.

Da es noch relativ früh ist, greifen alle auf alkoholfreie Manövergetränke zurück. Wir sitzen an Oberdeck, prosten uns zu und helfen kurz darauf einem Charterschiff mit einer 10- köpfigen polnischen Mannschaft an Bord neben uns an den Pier. Hoffentlich machen die nicht zu viel Lärm heute Nacht. (aber das sei schon vorweggenommen: alles ganz manierlich und ruhig, keine bemerkenswerten Störungen.)

Nachdem das Schiff klar ist, trabe ich an Land und zunächst zu den Hafenbehörden, wo ich auf Ägina besonders gern hingehe weil a.: die Liegegebühr sich stets im Rahmen unter 2 Euro bewegt und b.: weil dort unter den Beamten der Behörde ein etwa 80%iger Anteil an Frauen herrscht. Auch heute werde ich nicht enttäuscht: eine attraktive Brünette nimmt meine Papiere entgegen, kontrolliert hier etwas, trägt dort etwas ein und stellt schließlich den Beleg aus für die Liegegebühr. Stolze 1,73 Euro sind´s geworden. Na, da kann ich die Crew ja wieder mal großzügig zur Übernachtung einladen. Anschließend geht es zur Taverne „Maridaki", wo wir beim Herbsttörn 2005 hervorragend gegessen haben und in der wir auch heute Abend essen wollen. Dort angekommen sehe ich allerdings eine kleine Baustelle vor mir: es wird gesägt und gehämmert und gemacht und getan, aber hier wird heute sicherlich kein Essen gekocht.

Einen der Griechen gefragt bekomme ich die Auskunft: leider noch geschlossen. Auf die

Frage nach einem Alternativ-Tipp, wo es ähnlich gutes Essen wie hier gibt, bekomme ich zwei Hinweise und kehre daraufhin etwas traurig zum Schiff zurück. Dort haben sich mittlerweile auch alle anderen stadtfein gemacht, und so machen wir uns fertig zu einerBesichtigungstour durch Ägina. ecki21.jpg

 

„EFI" gleich vorn im hübschen Hafen von Ägina

 

 

 

 

 

 

Bevor wir das Schiff verlassen bekommen wir aber noch Besuch: zuerst rollt ein Motorroller heran mit einem etwa 45 Jahre alten Mann, der zu unserem Schiff kommt, nach dem Skipper fragt und mich bittet, unsere Liegegebühr beim Hafenamt zu entrichten. Ich gehe kurz zum Logbuch, schnappe mir den Beleg heraus und zeige ihn stolz vor. Er ist freudig überrascht und trabt weiter zum nächsten Schiff. Danach rollt der nächste Motorroller heran, diesmal mit einer jungen Frau an Bord, die ebenfalls zu uns kommt und ein großformatiges Foto von unserem Schiff beim Einlaufen in den Hafen zeigt. Eddy zückt seine Börse, tauscht 15 Euro um in ein Foto, und schon ist der Handel perfekt. Ich habe bereits ein solches Andenken zuhause von unserem Törn im Herbst 2005 mit der Yacht „Sonja", deswegen kaufe ich kein weiteres. Anschließend fragt uns der Skipper der Nachbaryacht noch nach.

Duschmöglichkeiten hier im Hafen. Ich gebe ihm den Tipp, irgendwo bei einem Hotel / einer Pension für ein oder zwei Stunden ein Zimmer zu mieten, damit alle Crewmitglieder dort duschen können. Er bedankt sich höflich und verschwindet unter Deck.

Dann möchte erst einmal keiner mehr etwas von uns, und so trödeln wir einmal komplett am Hafen entlang, machen dabei einen Schlenker durch die Gasse mit dem Fischmarkt, überlegen dabei, dass wir ja morgen früh, bevor wir auslaufen, hier noch Fisch kaufen können, den wir dann morgen Abend in Athen noch zubereiten zusammen mir den anderen Zutaten, die sich noch in den Vorratsschränken befinden. Wir lustwandeln weiter bis zur großen Kirche ganz im Nordteil des Hafens, biegen dort links in die Gassen ein. An einem Pistazienkern-Stand erwerben wir zwei Beutel mit diesen leckeren einheimischen Wunderdingern und kreuzen in den nächsten 60 Minuten, Pistazienkern-Schalen hinter uns lassend, durch die hübsche Altstadt. Zwischendurch spendiert Christian aus der Bordkasse für jeden eine Portion Pitta- Gyros, und damit bestens gestärkt erreichen wir wieder die Promenadenstraße, diesmal am südlichsten Teil des Hafens, wo sich an den Yachthafen nun zuerst der belebte Fährhafen und daran wiederum der historische Hafen anfügt.

Dieser historische Hafen ist Teil der Ausgrabungen, die aber heute leider nicht mehr zu besichtigen sind ( Öffnungszeiten von 9:00 bis 18:00 Uhr ). Wir kehren um, und nachdem Eddy eine Runde Speiseeis spendiert hat, bestaunen wir am Fischerkai den Fang eines Kutters: sauber nach Größe und Art geordnet die unterschiedlichsten Fische, viele Kisten mit Garnelen und sogar etwa ein halbes Dutzend Kisten mit schätzungsweise je 60 bis 80 cm im Durchmesser messenden Rochen.

20:00 Uhr Zurück am Schiff trudelt auch gerade die polnische Crew ein, behängt mit Badetüchern und Waschbeuteln. Mit einer Wolke aus Wohlgeruch drapiert und teilweise noch mit nassen Haaren hat das mit dem Hotel-Dusch-Tipp anscheinend geklappt. Wir fläzen uns an Oberdeck mit gutem Blick auf die Promenade, wo jede Menge los ist, sodass wir viel zu schauen haben. Alle Nase lang laufen Personenfähren aus und ein und spucken ihre zweibeinige Fracht an Land. Viele Asiaten sind darunter, und wir staunen über die unterschiedlichsten Typen, die hier vorbei kommen. Dabei lassen wir uns einen leckeren Absacker aus Ouzo und Fanta schmecken und drücken auf unseren Bäuchen herum, ob die denn schon Appetit haben.

Schließlich bewegen sich die Uhrzeiger aber schon deutlich jenseits der 21:00-Uhr-Marke, sodass wir die Gläser abräumen, unsere Haare kämmen, noch etwas Duftwässerchen auftragen, das Schiff abschließen und uns auf den Weg zum Abendessen machen. Wir haben nirgendwo einen Tisch reservieren lassen und sind somit in unserer Entscheidung fre i, könnenuns im wahrsten Sinn des Wortes spontan unserem Bauchgefühl ergeben und tun das dann auch, indem wir einen Tisch in einer direkt neben den Fischhallen liegenden Taverne entern.

Frischer als hier werden wir auf dieser Insel Fisch nicht essen können. Die junge Dame, die die Bestellung entgegennimmt, scheint etwas überfordert zu sein, als wir zunächst nur die Starters bestellen. Aber sie zockelt los und bringt schon bald unsere Standards: griechischen Salat, Tsatsiki, Brot, Besteck, Wasser und Retsina. Wir langen reichlich zu, denn auch hier schmecken diese Sachen wieder genial, besonders der Schafskäse ist außerordentlich gut. Als alle Schalen und Teller leer sind ( Christian musste sich heute einmal nicht so sehr zurückhalten ), steht sie auch schon bald wieder am Tisch mit dem Block in der Hand. Wir bestellen gegrillten Octopus, frittierten Calmar, Patates, Auberginengemüse, gebratenen Catfish mit einer heftigen Knoblauchsoße, und dazu stuffed Tomatoes und Moussaka. Dazu noch ein weiteres halbes Kilo Retsina ( heute will Christian gar keinen Wein trinken, probiert immer nur ein Gläschen und dann noch ein Gläschen ) und später noch eins. Derweil schauen wir zu, wie die Octopusse verarbeitet, gewürzt und gegrillt werden.

Am Nebentisch sitzt eine Crew aus Dänemark ( Eltern und 2 fast erwachsene Kinder ) und wir kommen ins Gespräch. Ich frage, aus welchem Teil Dänemarks sie kommen und sie fragen, woher wir wissen, woher sie sind. Ich berichte über die Dänische Nationalflagge, die ich in deren Saling gesehen habe, und dass ich schon häufig in Dänemark zum Segeln war.

Als ich die Inseln und Orte aufzähle, wo wir schon überall waren, zucken sie leicht bei „Nysted", einem wunderschönen kleinen, bilderbuchmäßigen Hafen mit kleinen bunten Holzhäusern, die malerisch drum herum liegen. Dort kommen sie her, berichten sie, wir plaudern noch etwas, was allerdings dann unterbrochen wird, da unser Essen auf den Tisch kommt.

Der Grillmeister, den wir heute Nachmittag bereits am Fischereihafen gesehen haben als er den Fischkutter leergekauft hat, und den wir auch schon an einem Fischstand in der Fischmarkt-Gasse entdeckt haben, scheint frisch und sehr heftig verliebt zu sein: der gegrillte Octopus ist ziemlich salzig! Alles Andere ist allerdings genauso lecker wie frisch und alle langen ordentlich zu.

Nach dem Essen schlendern wir direkt zum Schiff zurück und beenden den schönen Tag mit einem Absacker an Oberdeck, zu dem alle Anwesenden genügend dummes Zeug servieren und die Menüfolge angereichert wird durch die zentrale Lage unseres Standortes. Als das Mitternachtsläuten der umliegenden Kirchen einsetzt, wird es allerdings Zeit für uns, in die Kojen zu verschwinden und so herrscht ab halb eins denn auch ( bis auf das Schnarchen unseres Smutjes ) Ruhe auf dem Schiff.

Donnerstag, 3. Mai 2007

09:15 Uhr Baro : 1018 hpas, Temperatur : 21,1°C

Bereits früh am Morgen ist es herrlich warm, und nachdem wir ausgiebig gefrühstückt haben schlendern Uwe und ich los in die Stadt, um am Fischmarkt für heute Abend genügend psarí einzukaufen. Wir entscheiden uns für mittelgroße Exemplare, von denen wir pro Nase drei Stück, also zusammen ein Dutzend abwiegen lassen. Danach schlendern wir noch zu den im Hafen liegenden Kaikis, von denen herab frisches Obst und Gemüse verkauft wird und wo wir uns von einer Verkäuferin Tomaten, Paprika und Rukola andrehen lassen und leider erst nachher merken, dass sie uns ganz schön über den Tisch gezogen hat. Aber: nur aus Erfahrung kannst Du lernen und so begnügen wir uns mit einem nachträglichen Schulterzucken.

Dann geht's zurück zum Schiff, alles wird verzurrt, die Ventile und Luken geschlossen und alles zum Ablegen klargemacht.

10:50 Uhr Motor : an, Leinen los, Anker an Bord Wetter : wolkenlos

Strahlender Sonnenschein, eine ganz leichte Brise aus Süd und ganz leichter Seegang versprechen, dass es einen herrlichen Tag geben wird. Wir tuckern aus dem Hafenbecken heraus und werfen noch einen Blick zurück auf dieses anmutige Städtchen mit seinem schönen Hafen.

Vor der Hafenausfahrt haben wir alle Leinen und die Fender verstaut und wir ziehen die Segel heraus, um mit einem leichten Rückenwind ohne Motorgebrumm längs der Westküste entlang zu laufen, hin zum Kap Plakakia, von dem wir bereits von weitem den Leuchtturm sichten.

Wir genießen den Blick auf die sanften Hügel Äginas mit den hübschen Häusern und lassen uns von einer langen, sanften Welle voranschieben. Am Kap Plakakia legen wir Kurs 080 an, der uns, südlich an der kleinen Insel Lagoussa vorbei, auf direktem Weg nach Athen zum Hafen Kalamaki bringen soll.

Allerdings gelangen wir auf diesem Kurs schon bald in die Landabdeckung, der leichte Südwind nimmt ab auf Flautenpegel, sodass wir bald schon keinen Vorschub mehr haben. 11.35 Uhr Motor : an Segelführung : F↓ Mit dem Großsegel als Stützsegel tuckern wir auf unserem Kurs gemütlich dahin. Uwe kramt seine Fischmarktbeute heraus, begibt sich mit der Pütz und einem Sieb bewaffnet auf die Badeplattform und macht die Außenbordskameraden küchenfertig, indem er sie ausnimmt und schuppt. ecki22.jpg

 

Uwe bereitet unser heutiges Abendessen vor

 

 

 

 

 

 

Der Abfall geht gleich achteraus ins Wasser, sodass sich schon bald die eine oder andere Möwe angesprochen fühlt, sich an unserem heutigen Mahl zu beteiligen. Während alle gespannt auf Fische und Möwen achten, entdecken wir plötzlich hinter uns einige Rückenflossen im Wasser und sichten schon bald darauf eine Gruppe Delfine, die sich kreuz und quer durch das Meer bewegt und sich anscheinend an einem Fischschwarm ergötzt. Bald schon lassen wir allerdings sowohl Möwen als auch Delfine hinter uns, Uwe hat alle Fische „versorgt", und pünktlich, als die Abendessen-Rohware in der Kühlbox verstaut ist, setzt der Südwind wieder ganz sanft ein und kann uns mit einer Stärke von etwa 2 bft. antreiben.

13:00 Uhr Segelführung : F↑ Motor : aus 13:05 Uhr Motor : an

Segelführung : F↓ Position : 37:49,7N;023:31,9E

Schon kurz darauf allerdings schläft der Wind wieder ein. Also: alles wieder zurück, Motor an, Vorsegel wieder rein und weiter geht's mit Dieselschub.

13:20 Uhr Segelführung : F↑ Motor : aus Als wir die Landabdeckung der Insel Ägina dann allerdings hinter uns gelassen haben, zieht der Wind deutlich an. Der Windmesser zeigt anfangs 12 bis 15 Knoten Wind, klettert dann langsam weiter an und stabilisiert sich im offenen Fahrwasser bei satten 25 bis 28 Knoten, was einer Windstärke von gut 5 bft. entspricht. Kombiniert mit dem fast wolkenlosen Himmel zeigt sich der Saronische Golf für uns Segler auf unserem Abschiedskurs noch einmal von seiner schönsten Seite. Den Berg mit der Akropolis bereits vor Augen steuern wir weiter unseren Kurs und sind ein wenig traurig, dass wir mit diesem tollen Wind viel zu schnell zu unserem Zielhafen kommen. So hat denn aber auch alles seine gute Seite: so werden wir heute genügend Zeit für alle abschließenden Tätigkeiten haben um uns für den morgigen Tag dann „Sightseeing in Athen" auf die Agenda zu schreiben.

15:05 Uhr Motor : an, Segelführung : F↓G↓

So endet unser Törn denn ganz nüchtern mit einem letzten Segeleinhol-Manöver, und kurz darauf tuckern wir denn in aller Ruhe zwischen den beiden Einfahrtshuks hindurch in den Heimathafen unserer „Efi".

15:20 Uhr Fest an Bug-Mooring und Achterleinen im Hafen von Kalamaki, Athen

Baro : 1012 hpas, Temperatur : 27,3°C

Motorstunden : 2520,5 h daraus : 27,2 h unter Motor Tageslogge : 21 sm

Gesamtlogge : 235 sm Am Pier begrüßen uns denn auch schon helfende Hände, die unsere Leinen entgegennehmen.

Die Mooring muss noch einmal nachgezurrt und die Fender noch ein wenig umpositioniert werden, aber schließlich liegen wir um kurz vor halb vier sicher und fest im Hafen von Kalamaki.

Die üblichen Tätigkeiten werden angeschoben: Landstrom legen, einen Wasserschlauch organisieren und alle Tanks befüllen, der Dieselwagen steht auch bereits an einem Nachbarschiff und wird beauftragt, anschließend zu uns zu kommen, sodass auch das Thema „Diesel bunkern" bald erledigt ist, die Sprayhood bleibt noch unten aber die „Kaffeebude", das Bimini, wird aufgespannt ( denn die Sonne „knallt" ganz schön! ). Kurz: alles wird klargemacht für die Schiffsübergabe. Während die ersten Crewmitglieder zum Duschen gehen, schnappe ich mir die leere Gasflasche aus der Backskiste und marschiere zur Tankstelle am Hafentor, wo ich sie gegen eine schöne, volle eintausche, und nachdem die erste Duschdelegation sauber und gut riechend wieder an Bord erscheint, macht sich denn auch die zweite Crewhälfte auf den Weg zur Reinigungsbude.

17:00 Uhr Bald schon erscheint Jorgos am Schiff, begrüßt uns „wieder zuhause" und wir

beginnen, das Schiff durchzuchecken. Einige Dinge sind zu richten:

- Die Logge zeigt sehr falsch an - Vor dem Mastfuß hat sich der kleine Bügel, an den die Karabiner der nicht benutzten Fallen angekauscht sind, im Sturm gelöst ( ein Niet ist herausgerissen, den wir durch eine Schraube notdürftig ersetzt haben ) - Die Pumpanlage des achterlichen WC pumpt manchmal kein Wasser von außen - Auf der Steuerbordseite haben wir einen Schraubbolzen, der den Klappbügel des Bimini hält, notdürftig durch einen Splint ersetzt. - Die Fixierung des Steuerrads ist defekt ( nervt einfach beim Ankern ) - Auf der Steuerbordseite der Sprayhood ist ein Haltegummi abgerissen - Ein Wasserglas ist kaputt - Der Sperriegel des Klappluks in der backbordseitigen Achterkabine ist abgerissen - Der Windrichtungspfeil des Verklickers ist heruntergefallen Jorge notiert alles. Vercharterer sind meist sehr dankbar dafür, wenn die erste Crew alle Auffälligkeiten notiert, sodass das Schiff für die Saison mit diesen Informationen „auf Vordermann" gebracht werden kann. So auch Jorgos: er bedankt sich für die Mängelliste und ich bin mir sicher, dass so gut wie alle „Defekte" bis zur Übernahme durch die nächste Crew abgestellt sein werden.

In der Zwischenzeit hat auch noch ein Taucher das Unterschiff auf Defekte kontrolliert und danach, noch im Wasser strampelnd, mit dem rechten Daumen und Zeigefinger das OK signalisiert, während ihm das leckere Hafenwasser das Gesicht herunterläuft. Scheißjob!

Somit ist denn, nachdem auch die restliche Ausrüstung, die Segel, der Motor und die Außenhaut des Schiffes positiv begutachtet wurden, die Übergabe beendet und wir können in aller Ruhe einen Kaffee kochen und uns unter dem Sonnensegel in den Schatten legen. 18:30 Uhr Nachdem Uwe bereits seit wir im Hafen liegen Vorbereitungen für das Abendessen getroffen hat ( wie z.B. Nudeln kochen, damit sie abkühlen und später zu Nudelsalat verarbeitet werden können ), legt er nun richtig los und spannt auch weitere Crewmitglieder z.B. zum Zerbröseln von Estragon und anderen Dingen ein. Zwischendurch gibt es „oben" immer mal wieder einen kleinen Sundowner, und in der Küche sieht es aus, als wenn hier richtig gearbeitet werden würde.

In der Zwischenzeit telefoniere ich mit Vagélis, der uns herzlich „wieder zuhause" begrüßt. Natürlich muss ich ganz kurz berichten, wie es gelaufen ist und wo wir überall waren. Ich komme dann aber bald zurück auf das Angebot von Molly, die uns einige Tipps notieren wollte für einen eintägigen Athen-Kompakt-Besuch.

Er verspricht, alles noch heute Abend zu uns zu bringen, da er alles im Auto hat, aber nicht vor 22:00 Uhr am Schiff sein kann, weil er noch einiges zu erledigen hat.

20:00 Uhr Mittlerweile dringt schon heftig guter Küchengeruch an Oberdeck, und auf dem Herd stehen bereits die notwendigen Bratutensilien. Der Tisch wird gedeckt, Christian scharwenzelt mittlerweile nur noch um Uwe herum ( hat er etwa Hunger ? ), und bald schon erklingt der erlösende Satz „Essen ist fertig". Eine große Schale mit Nudelsalat, der mit Rukola, Thunfisch, Zwiebeln, Tomaten, einem Hauch Knoblauch und mit den Bordkräutern zubereitet ist, dazu für jeden eine Schale mit Thunfischsalat, und, vor allen Dingen, zwei große Pfannen, in denen lecker gebratene Fische auf ihre Abnehmer warten, stehen auf dem Tisch. Dazu gut gekühlter Retsina und genügend Wasser. Natürlich darf auch Brot nicht fehlen, damit die Pfannen und Töpfe auch „ausgestippt" werden können. Wir hauen rein, und schon bald hat´s den Fisch erledigt. Was am Schluss übrig bleibt, ist ein kärglicher Rest Nudelsalat, der beim besten Willen sogar von Christian nicht mehr geschafft werden konnte.

Satt und zufrieden lehnen wir uns zurück und genießen einen dringend notwendigen Absacker: den letzten Rest aus der Flasche 12-Sterne-Metaxa. Kaum sind die Gläser geleert - Töpfe, Pfannen .. alles steht noch auf dem Tisch - poltert es auch schon oben auf dem Schiff und ein Besucher namens Vagélis steigt den Niedergang hinunter. Er grinst uns alle an, freut sich wie ein Schneekönig und begrüßt jeden von uns mit Handschlag. Er schiebt sich neben Eddy auf die Bank, stellt seine Tasche neben sich, greift nach dem Glas, das ich, befüllt mit Retsina, vor ihn hingestellt habe und prostet uns zu „stin i´jamas". Es beginnt eine nette Plauderei. Wir müssen berichten, wo wir überall waren, was wir alles gesehen haben, wie das Wetter war, ob mit dem Schiff alles klar gewesen ist und und und. Als wir unseren Bericht mit dem Einlaufen in Kalamaki beendet haben berichtet er uns, was Molly für unsere morgige Stadtbesichtigung alles ausgesucht hat. Er kramt einen dicken Umschlag aus seiner Tasche und präsentiert uns 5 Seiten handschriftliche

Wegbeschreibungen: was wir uns anschauen müssen, kleine Runde, große Runde, wo wir einkehren sollen wenn wir Hunger haben und wo wir lieber einen Bogen drum herum machen sollten, wo es den besten Greek Coffee und wo den besten Cappuccino gibt, wo wir die schönste Aussicht haben und in welchem Stadtgebiet die Cafés mit den attraktivsten Mädels sind. Dazu bekommen wir Kopien von Stadtplänen mit farbig markierten Wegen und - immer mit dem Vermerk: „wenn noch Zeit ist" - Hinweisen zu Museen und Galerien. Perfekt!

In den nächsten 45 Minuten gibt es noch weitere Tipps direkt mündlich von Vagélis, und als er, nachdem wir ihm noch ein Gläschen aufschwatzen konnten, sich von uns verabschiedet ( kali níchta, mächri áwro" - gute Nacht, bis morgen ), wissen wir, dass morgen ein toller Tag werden wird.

Da es mittlerweile fast Mitternacht geworden ist, trinken wir noch unsere Gläser leer und begeben uns dann in die Horizontale.

Freitag, 4.Mai 2007

Bereits relativ früh sind wir auf den Beinen gewesen. Ich habe vom Supermarkt frisches Brot geholt, Kaffee und Tee waren längst fertig als ich wiederkam, und der Abwasch ging heute sehr flott. Alle freuten sich auf den heutigen Stadtbummel mit Akropolis-Besichtigung.

So machen wir uns auf zur Straßenbahnhaltestelle am Hafentor (die Straßenbahn heißt hier, wie in München, „Tram") und versuchen, den Fahrplan zu entziffern. Irgendwo habe ich etwas gelesen von Tageskarten, kann aber nicht herausfinden, wie ich so etwas nun kaufen kann. Ein etwas älterer Herr kommt auf uns zu und fragt uns auf Englisch, wo wir hin möchten. Nach wenigen Worten unterbricht er mich auf Deutsch, strahlt übers ganze Gesicht und berichtet, dass er viele Jahre in Deutschland gelebt uns gearbeitet hat und dass die Deutschen das netteste Volk der Erde sind, gleich nach den Griechen, und er lässt sich von uns 2 € und 40 Cent geben, mit denen er den Fahrkartenautomaten füttert und uns darauf 4 Tickets á 60 Cent in die Hand drückt, mit denen wir mit der Linie 8 bis zur Endstation fahren können, die mitten im Zentrum liegt.

5 Minuten später trudelt unsere Tram dann auch schon ein und wir lassen uns binnen 40 Minuten bis zur Syntagma-Station bringen, dem Tram-Bahnhof im Herzen der Stadt, direkt am Syntagma-Platz, dem Platz der Verfassung. Hier steht das Parlamentsgebäude, das in den Jahren 1835 bis 1838 ursprünglich als Königliche Residenz von einem deutschen Architekten entworfen und gebaut wurde. 1935 wurde es dann umgebaut zum Parlamentsgebäude und noch heute halten hier Soldaten in ihrer markanten griechischen Tracht Wache vor dem Grab des Unbekannten Soldaten.

Wir trudeln zunächst dem Aussteiger-Strom hinterher, der sich nach links orientiert. Nach etwa 100 m klappe ich meinen Stadtplan auf und nehme die Beschreibung von Molly zur Hand. Den Plan ein paar Mal hin und her gedreht lässt er sich ( trotz griechischer Legende ) schon viel besser lesen. Wenn wir diesem Weg folgen, so der Plan, kommen wir schnurstracks in Richtung Plaka, der Altstadt von Athen. Noch ein wenig weitergeforscht entdecken wir auch das Symbol für das wohl bekannteste Bauwerk Athens, wenn nicht sogar Griechenlands: den Parthenon auf der Akropolis von Athen. Also folgen wir dem eingeschlagenen Weg und genießen dabei die schattigen Straßen mit breiten Bürgersteigen, an denen nette kleine Geschäfte ihre Waren in bunten Schaufenstern präsentieren. Als Losung gebe ich eine Bitte aus: Optikerfachgeschäft (da sich die Mechanik meiner Sonnenbrille etwas verändert hat). Um diesem Thema vorzugreifen: am Nachmittag finde ich ein Fachgeschäft, wo der Bügel meiner Brille zu meiner großen Erleichterung wieder ordentlich in Position gebracht wird.

Auf dem Weg in die Plaka kommen wir zu einem Platz, auf dem die Kathedrale, die „Große Mitropolis" steht, gleich neben der „Kleinen Mitropolis". Die Große ist die Bischofskirche Athens, wo einst griechische Könige gekrönt wurden und heute die griechischen Präsidenten und Premierminister ihren Amtseid ablegen.

Ihre Tore hat sie uns einladend geöffnet und es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen. Auf der Eingangstreppe stehend und auf den großen Vorplatz blickend stelle ich auch hier, wie überall in Griechenland, fest, dass sehr viele der Passanten, die an der Kathedrale vorbei gehen, zumindest einen Blick auf das Portal werfen und sich dabei bekreuzigen. So etwas erlebe ich auch immer wieder zum Beispiel bei Bus- oder Taxifahrern, mit denen ich an Kirchen, Klöstern, Kapellen oder ähnlichem vorbeifahre oder an entsprechenden Stellen stehend oder sitzend. So also auch hier. Wir betreten die Kirche und erleben auch hier Betriebsamkeit. Selbst viele junge Leute kommen herein, knien vor ihrer Ikone oder Skulptur nieder, bekreuzigen sich und küssen die Ikone oder Skulptur. Diese Kathedrale lebt! Während in deutschen Kirchen und Domen eher bedrücktes Schweigen herrscht und ich stets das Gefühl habe, Big Brother auf mich blickend zu fühlen der sofort jedes nicht unterwürfige

Verhalten bestrafen wird, geht es hier sehr respektvoll, dabei aber vollkommen unverkrampft und fast fröhlich zu. Wir verlassen diese Kirche, kehren zurück auf den Vorplatz und orientieren uns nun in Richtung Plaka, der Altstadt von Athen. Da es noch relativ früher Vormittag ist und die Touristensaison noch bevorsteht, haben wir überall freien Blick auf die Auslagen der vielen kleinen Geschäfte. Das Angebot ist sehr touristen-orientiert: Sonnenbrillen, griechische Kunst (meist Made in Korea), Olivenöl-Seife, Spirituosen, Döner-Kebab-Buden (nein, Christian, hier heißen die „Giros-Pitta"-Stände), Souvenirläden, Tavernen, und und und ... Die Gassen führen leicht bergan, und bald haben wir das erste Mal direkten Blick auf den alles überragenden Berg, die Akropolis von Athen.ecki23.jpg

Ein erster Blick auf die Akropolis

 

Der Name Akropolis bedeutet „Oberstadt" und bezeichnet generell die Gesamtheit der „Stadt auf der Bergspitze". In vielen griechischen Städten gibt es eine Akropolis, so ist zum Beispiel außer der in Athen die Akropolis von Lindos auf Rhodos sehr berühmt.

Uns langsam durch die Altstadtgassen bewegend nähern wir uns dem Berg. Allerdings stehen wir vor einem Eingang, an dem eine junge Frau mit einem Funkgerät anscheinend Wache hält und uns bittet, den etwas unterhalb gelegenen Eingang zu benutzen: hier ist lediglich

Baustelleneingang. Wir folgen der Mauer bergab und erreichen bald den Haupteingang, wo wir vier Eintrittskarten erwerben und uns anschließend den anderen Besuchern anschließen, die schon vor uns den Akropolisbezirk betreten haben.

Die Akropolis besteht aus vielen Gebäuden, Plätzen, Tempeln, Theatern, Kultstätten, Märkten usw., und das Gebäude, das oftmals als Akropolis bezeichnet wird, also der große Tempel mit den beeindruckenden Säulen, ist nur ein Teil der Gesamtanlage und ist der Parthenon. Dieser Parthenon (altgriechisch: Παρθενών, das Jungfrauengemach) ist wohl eines der berühmtesten Gebäude der Welt und thront seit fast 2.500 Jahren auf der Akropolis von Athen. Erbaut wurde er als Tempel zu Ehren der Stadtpatronin Pallas Athene zum Dank für die Rettung der Athener und Griechen während des Perserkriegs und ersetzte einen bereits zuvor an dieser Stelle stehenden Tempel, der zuvor von Persern zerstört worden war.

Wir kommen aber zunächst vorbei an den Resten des Dionysos-Theaters, im Vergleich zum Theater von Epidauros eine echte Ruine, wesentlich kleiner als diese und von hier unten betrachtet nicht sehr beeindruckend. Weiter geht´s den steilen Berg hinauf, wo wir, nachdem wir die Trümmerreste des Asklipios (=Aeskulap)-Bezirks ganz gelassen hinter uns gelassen haben, den schon viel imposanteren „Odeon des Herodes Atticus" erreichen, ein wirklich noch gut erhaltenes (oder wieder gut restauriertes) Theater, zwar ebenfalls viel kleiner als das in Epidaurus, aber trotzdem sehr beeindruckend. Wir winden uns weiter nach oben, wo ich von einer Ordnerin gebeten werde, vor dem Betreten des nächsten Bezirks etwas unterhalb dieses Eingangs meinen Rucksack zu deponieren. Nachdem ich dieser Bitte nachgekommen bin betreten wir nun über eine breite Treppe, die uns durch das so genannte Beule´sche Tor erst in den Kultbezirk der Athene Nike bringt, von wo aus wir anschließend zwischen den Säulen der Propyläen hindurch auf das „Bergplateau" der Akropolis gelangen.

Auf dieser weiten Fläche beherrschen zwei eindrucksvolle Gebäude das gesamte Geschehen:. Zunächst links das Erechtheion, ein Tempel, der aus vielen verschiedenen Architekturen besteht und damit die Verbindung zwischen den unterschiedlichen Kulturen und Kulten aus der Zeit vor den Perserkriegen darstellen. Besonders beeindruckend und berühmt für dieses Gebäude sind die so genannten Koren, Säulen in Gestalt von Mädchen oder jungen Frauen, die hier im wahrsten Sinn des Wortes tragende Rollen spielen, da auf ihren Köpfen die Querträger einer Tempel-Etage ruhen. ecki24.jpg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die berühmten Koren am Erechtheion-Tempel

Ja, und dann ist da halt ER. Der Parthenon! Der Tempel der Athene, der Repräsentationsbau, der Aufbewahrungsort der Reichtümer des Attisch-Delischen Seebundes, Versammlungsort und Zentrum des Wohlstands des alten Athen, Munitionslager in vielen Kriegen, immer wieder teilweise zerstört und wieder aufgebaut und heute Hauptanziehungspunkt für viele Griechenlandbesucher.

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Wohl DAS bekannteste Bauwerk Griechenlands: der Parthenon auf der Akropolis

Etwas ehrfürchtig folgen wir dem Rundweg, bewundern die imposanten Säulen, bestaunen den atemberaubenden Panoramablick auf das uns zu Füßen liegende Athen, machen Rast an der Aussichtsplattform im Bezirk des Pandion ganz im Osten des Plateaus, und lassen uns im Anschluss daran im Museum verzaubern von den Figuren, Bildern, Ornamenten und Gebäudeteilen, die hier ausgestellt sind und die die Geschichte Athens und damit die Geschichte der Entstehung der europäischen Kultur erzählen.

Am Ausgang des Museums habe ich den Eindruck, dass mir die dort auf einer hohen Säule postierte marmorne Eule, das Lieblingstier der Athene und das Wahrzeichen Athens, zum Abschied zuzwinkert, und heimlich verspreche ich ihr, bald wiederzukommen.ecki26.jpg

 

Das Wahrzeichen Athens: die Eule.

 

 

 

 

 

Mittlerweile ist es kurz nach Mittag und es ist schon sehr warm geworden. Wir stellen uns vor, wie heiß und unangenehm es hier erst im Juli oder August sein wird und sind froh darüber, jetzt, im Mai, hier zu sein.

Wir verlassen das Hochplateau der Akropolis, schießen noch einige Bilder am Ausgang, und nachdem ich meinen Rucksack wieder abgeholt habe setzen wir unseren Rundgang im Uhrzeigersinn fort. Bei drei jungen Frauen erkundige ich mich, ob dies der richtige Weg „jia tin Psiri", nach Psiri, dem Künstlerviertel von Athen, ist, was sie mit einem „ne" bejahen, und so bewegen wir uns talwärts, nicht ohne noch einen Abstecher zu machen zu den antiken Wohnhöhlen in der Nordmauer des Akropolisberges. Am Ende des Weges treffen wir auf ein Tor, das weit offen steht und direkt in die Altstadt führt. Vor diesem Tor haben wir heute Vormittag bereits von außen vergeblich gestanden um hereinzukommen, allerdings dürfen wir hier auch nicht raus, wie uns die gleiche junge Frau mitteilt, sondern wir müssen quer über das Gelände bis zum Ruinenfeld des Dionysos-Theaters zurück, um von dort wieder zum Hauptein- und Ausgang zu kommen, wo wir den heiligen Bezirk dann endlich verlassen können.

Zurück in der oberen Plaka halten wir uns nun wieder an die Empfehlungen unseres Plans, der als nächstes einen Besuch in Psiri, dem bereits erwähnten Künstlerviertel, vorsieht. Immer kurz unterhalb der Akropolis-Mauer in Richtung Norden orientiert kommen wir auch bald in eine Gegend, in der viele Galerien, Ausstellungen, Kunsthandwerksgeschäfte und Werkstätten das Straßenbild prägen. Wir entern den einen oder anderen Laden und fahnden nach schönen Dingen, und irgendwo treffe ich auch auf ein Geschäft, das schon von außen signalisiert „Hallo Ecki, hier gibt´s das, was Du suchst". Und richtig: schöne Bilder, Grafiken, Statuen, allesamt eindeutig nicht „Made in Korea", sondern zertifiziert aus griechischer Handfertigung präsentieren sich. Eine Keramik-Skulptur hat mich besonders in ihren Bann gezogen, und nachdem ich mir mit der Verkäuferin nach kurzer Verhandlung auch über den Preis einig geworden bin, wechseln Ware und Geld ihre Besitzer und beide Seiten haben das Gefühl, ein gutes Geschäft gemacht zu haben.

Da der Erfolgsdruck nun eindeutig heraus ist, widmen wir uns nun der Suche nach einem schattigen Plätzchen, wo wir etwas trinken können. Wir besetzen einen Tisch in einem der vielen, vielen Straßencafés, mit Blick auf die Akropolis und mit akustischer und sensorischer Anbindung an die U-Bahn. Der Frappée glykó ke me gála ( süß und mit Milch ) schmeckt ausgezeichnet und wir haben gute Aussicht auf alles, was hier passiert.

Frisch gestärkt setzen wir unsere Tour fort und gelangen in eine Straße, wo ein Antiquitätenladen an den anderen grenzt, wo Christian und Uwe sich nicht satt sehen können in Geschäften die noch richtige Vinyl-Schallplatten aus den 70ern und 80ern anbieten, wo vor Läden bergeweise Bücher, Magazine, Hefte, Comics, VHS-Video-Kassetten und und und aufgestapelt sind und auf Kundschaft warten und Gyros-Grills mit ihren Gerüchen das Wasser in unseren Mündern zusammenlaufen lassen. Dunkelhäutige Straßenhändler bieten ihre garantiert fast echten Markensonnenbrillen und Handtaschen von Gucci und Louis Vuitton an und lassen sich auch von Polizisten, die von Zeit zu Zeit aufkreuzen, nicht beirren, sondern klappen kurzerhand ihre „Verkaufsstände" aus Pappkartons zusammen, legen einen kurzen Sprint bis hinter die nächste Straßenecke ein und bauen dort in kürzester Zeit alles wieder auf.

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Von fast jedem Punkt der Plaka hast Du Aussicht auf die Akropolis

 

 

 

 

 

Staunend und schlendernd, mittlerweile allerdings schon etwas müde, kommen wir aus Psiri und der Plaka heraus, nun in den „anständigen" Teil der Innenstadt, dem Bereich mit den „normalen" Geschäften: Boutiquen, Kaufhäuser, Cafés, Schuhläden und so weiter, wo ich denn auch den vorher bereits erwähnten Optiker finde.

Die Uhr tickert mittlerweile auf nach 18:00 Uhr, und wir sind uns einig, dass es Zeit ist zum Schiff zurückzukehren. Wir verlassen die Fußgängerzone in nordöstliche Richtung und erreichen auch bald wieder den großen Platz vor dem Parlamentsgebäude, von dem aus „unsere" Trambahn uns schon bald wieder zurück zum Hafen bringt.ecki28.jpg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der große Platz vor dem Parlamentsgebäude. Geradeaus geht es in die Fußgängerzone

Auf meiner Mailbox habe ich die Nachricht von Vagélis, dass er heute Abend leider nicht zum Essen dazukommen kann. Ich rufe ihn zurück und bedanke mich bei ihm und Molly nochmals für den tollen Sight-Seeing-Plan und berichte kurz über unseren schönen Tag in Athen. Wir verabschieden uns mit gegenseitigen Grüßen an die restlichen Dazugehörigen.

Frisch gestriegelt machen wir uns dann gegen 21:00 Uhr auf den Weg zu Vassilis Taverne, wo wir für 21:30 Uhr einen Tisch reserviert haben. Heute ist es hier schon viel belebter als noch vor anderthalb Wochen, und einige Schiffsbesatzungen lassen sich die gute Küche schmecken.

Da Uwe großen Appetit auf geschmortes Lammfleisch bekundet hat, bitten wir Vassilis, uns sein Fleischmenü in etwas abgewandelter Version zu kredenzen. Er flitzt sofort in die Küche um zu ermitteln, welche Varianten er anbieten kann, und nachdem er uns berichtet hat, dass er Lamm- und Schweinebraten vom Drehspieß anstatt Souflaki, Bifteki, Gyros und Würstchen für uns hat, sind wir sofort begeistert und freuen uns auf das Essen. Vorspeisen, die Fleischgerichte und Beilagen, Getränke und Nachtisch sind wiederum ausgezeichnet, und satt und zufrieden machen wir uns gegen Mitternacht wieder auf den Rückweg zu „Efi".

Es ist eine wirklich laue und milde Nacht, und so sitzen wir denn noch mit einem letzten Gläschen an Oberdeck, genießen den wolkenlosen Blick auf den griechischen Nachthimmel und lassen die vergangenen Tage noch einmal revue passieren.

Trotz der lauten Musik aus der nahegelegenen Discothek ( heute findet dort anscheinend ein Konzert statt mit ausschließlich folkloristisch angehauchter Popmusik - laute, aber sehr gute Musik ) schlafen wir doch relativ gut und lassen uns letztmalig für dieses Frühjahr sanft vom Mittelmeerwasser in Träume schaukeln.

Samstag, 5.Mai 2007

Heute können wir den Tag sehr ruhig angehen: wir frühstücken in aller Ruhe. Ein Teil der Crew war bereits vor dem Frühstück duschen, und der Rest erledigt das noch nachher. Alle Taschen sind bereits gepackt, lediglich die Taschen, die wir als Handgepäck dabei haben werden, sind noch offen.

Nachdem der Abwasch, das Abziehen der Betten und das Wegbringen der letzten Mülltüten erledigt ist, verfrachten wir unser Gepäck auf den Steg, wo uns Jorgos und Yannis noch begrüßen, uns einen guten Flug wünschen und uns glaubhaft versichern, sich freuen uns bald wieder zu sehen.

Wir schultern unser Gepäck und traben zur Bushaltestelle, wo wir gar keine Zeit haben, ungeduldig zu werden, denn schon etwa 3 Minuten später hält unser „X96", gerade mal mit einigen wenigen Passagieren besetzt. Wir haben also fast die freie Platzwahl, entwertenunsere Fahrscheine ordnungsgemäß und werden mit Höchstgeschwindigkeit zum Flughafen gebracht.

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Smutje, gut erholt im Bus zum Flughafen

 

 

Die von uns für etwa 50 Minuten kalkulierte Fahrt ist dort aber bereits nach 40 Minuten vorbei, sodass unser Schalter, an dem wir nach Zürich einchecken wollen, noch gar nicht geöffnet ist und wir als Passagiere Nummer 1 bis 4 dort warten.

Bald aber haben wir unser Gepäck abgegeben und betreten den „Inner-Circle", wo wir in den Free-Tax-Shops noch etwas Geld lassen. Hier ein wenig Ouzo, dort noch die obligatorischen Oliven, ein bisschen Duftwässerchen für die Damen daheim und danach einfach noch ein wenig rumblödeln. Auch beim Sicherheits-Check sind wir die ersten. Die Damen dort fragen ganz ungläubig, ob wir denn wirklich schon in den Warteraum wollen. Aber ja doch, wir möchten da schon hinein. Vorher müssen aber noch alle Getränkeflaschen und -dosen geleert oder in den bereitstehenden Mülleimer entsorgt werden (Sicherheitsstufe).

Auch im Warteraum sind wir zunächst allein, aber auch dort kehrt schon bald Stimmung ein.

Wir verspeisen noch restliche Kekse und Schokolade, schauen den anderen Passagieren zu, dösen ein wenig, Christian schaut sich auf meiner Digitalkamera meine Ausbeute an Urlaubsbildern an, und irgendwann kommt der Aufruf für alle Fluggäste für den Flug nach Zürich, sich zum Check-in-Schalter zu begeben. Noch ein wenig Gedränge dort und vor der Tür des Fliegers, und kurz darauf, ohne sonderliche Verzögerung, verlassen wir griechischen Boden.

Der Flug verläuft ruhig, eine kleine Mahlzeit wird gereicht, aber schon bald heißt es dann „Liebe Fluggäste, soeben haben wir unsere Reiseflughöhe verlassen und werden in etwa 15 Minuten in Zürich landen. Bitte benutzen Sie ab sofort nicht mehr die Waschräume, schalten Sie bitte alle elektronischen Geräte aus, stellen Sie Ihre Rückenlehnen wieder in senkrechte Position und klappen Sie die Tischchen wieder hoch"

Nachdem wir die Wolkendecke von oben durchbrochen haben, empfängt uns Zürich mit grauem Himmel und Regen. Auf der Landebahn glänzen Pfützen im nachmittäglichen Dämmerlicht, und an den Fenstern bilden sich Rinnsale vom Regen.

Da die drei Nordlichter bereits in etwa eineinhalb Stunden weiterfliegen, müssen sie sich zum Einchecken beeilen und die Verabschiedung fällt entsprechend kurz aus. Für meinen Rückflug ist der Check-in-Schalter noch nicht auf den Monitoren verzeichnet, aber eine Mitarbeiterin von Swiss kann mir auf Nachfrage versichern, dass es wahrscheinlich einer von denen sein wird, vor denen ich mich hier gerade befinde.

So kann ich planen und habe Gelegenheit, noch ein wenig durch die Einkaufspassage zu spazieren, irgendwo eine Kleinigkeit zu essen und mich dann in aller Ruhe, nachdem ich dann eingecheckt hatte, in den Wartebereich zu begeben.

Pünktlich wie ein Schweizer Uhrwerk geht es dann mit einem Airbus in Richtung München, wo ich am Gepäckband stehend durch die Glasfassade, durch die man zum Kurzzeitparkplatz hinausschauen kann, bereits Simone sehe und ihr zuwinke. Sie winkt zurück und nachdem ich meine zwei Taschen auf das Wägelchen gepackt habe geht´s zum Ausgang, wo wir uns begrüßen.

In Oberbayern ist es ebenfalls etwas bedeckt, aber bei Temperaturen um die 20°C ist es ganz gut auszuhalten. Die Rückfahrt nach Hause verläuft ohne bemerkenswerte Geschehnisse, und bereits eine halbe Stunde später sitzen wir am Abendessentisch, mit griechischem Salat, Kalamata-Oliven (gerade frisch importiert) und einem Gläschen Retsina. Káli oréksi ( guten Appetit ).

... für einen Fremden aber kann die Reise nach Griechenlandzu einem hinreißenden Rausch der Schönheit werden...... eine tiefe mediterrane Freude des Auges.Auch in anderen Ländern gibt es freilich solche Erde,solche Steine, solches Licht.Aber hier in Griechenland erfüllt dieser Anblicknicht nur das Auge mit Freude, nicht nur das Herz,sondern auch tief den Geist.Denn hier begegne ich nicht nur - wie anderswo - Steinenund Erde und Meer, sondern auch großen Seelen,die diesen materiellen Raum mit Leben füllen.( frei nach Nikos Kazantzakis : aus „Im Zauber der griechischen Landschaft" )E.K.
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